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Vier Projekte für den Tübinger Menschenrechtspreis nominiert

Eine Rechtshilfegruppe für Flüchtlinge, Unterstützung und Hilfe für Obdachlose, eine Tübinger Zeitschrift über Menschenrechtsverletzungen und eine Spielgruppe für Kinder von Geflüchteten. Diese vier Projekte wurden von den teilnehmenden Initiativen der Menschenrechtswoche 2017 für den Tübinger Menschenrechtspreis nominiert. Dieser wird im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der Menschenrechtswoche am 19. Juni 2017 feierlich verliehen.

Von Constantin Pläcking

Team der Refugee Law Clinic – Foto: Menschenrechtswoche Tübingen

Unter den Nominierten befindet sich die Refugee Law Clinic. Seit 2016 organisiert die studentische Rechtsberatung Law&Legal e.V. in Kooperation mit der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen dieses Projekt. Die Studierenden lernen dabei über einen Zeitraum von zwei Semestern theoretische Grundkenntnisse des Migrationsrechts, der Menschenrechte und interkulturelle Kompetenzen. Anschließend beraten die angehenden Juristen Flüchtlinge. Dabei geht es häufig um Fragen des Aufenthaltsstatus und um Probleme mit Behörden.

Die Initiativen der Menschenrechtswoche halten dieses unentgeltliche Engagement für besonders wertvoll, weil Flüchtlinge oft nur rudimentäre Kenntnisse des Bürokratieapparats in Deutschland haben und sich nur selten Anwälte leisten können. Eine kostenlose Rechtsberatung hilft diesen Menschen deswegen auch besser in Deutschland anzukommen und bietet so einen wesentlichen Baustein zur Integration.

Wohnungslosenhilfechefin Susanne Barth mit Obdachlosem in der Unterkunft – Bild: Menschenrechtswoche Tübingen

Für ebenso auszeichnungswürdig hält die Menschenrechtswoche die Wohnungslosenhilfe Tübingen. Sie bietet Menschen ohne Wohnung einen warmen und trockenen Schlafplatz, die Gelegenheit zu duschen, Kleidung zu waschen und die Möglichkeit am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Darüber hinaus werden diese Menschen mit der Vermittlung von Unterkünften, Unterstützung bei behördlichen Angelegenheiten und der Geldverwaltung beraten. Bei besonderer Not hilft sie mit Lebensmitteln und Bekleidung aus der Kleiderkammer. Im Einzelfall werden die Kosten für Medikamente übernommen, um eine medizinische Behandlung sicherzustellen.

Die Wohnungslosenhilfe Tübingen macht sich um die Wahrung der Menschenrechte verdient, da sie das Recht auf Wohnen vertritt und die Existenzen von Menschen sichert, die durch das soziale Netz gefallen sind.

Clara Böning hat eine Spielgruppe für Flüchtlingskinder gegründet – Foto: Menschenrechtswoche Tübingen

Unter den Geflüchteten sind es besonders die Kinder, die von der Flucht traumatisiert sind. Deswegen nominiert die Menschenrechtswoche Clara Böning und ihre Spielgruppe für Kinder von Geflüchteten. Clara Böning ist Studierende an der Universität Tübingen und hat im Oktober 2016 eine Spielgruppe für Kinder von Geflüchteten aufgebaut. Dabei unternehmen Studierende einmal wöchentlich unterschiedliche Aktivitäten mit den Kindern. Als der Gruppe auffiel, dass die Eltern sowie die Betreuer der Familien meist zu beschäftigt mit Behördengängen und anderen Aufgaben sind, um Zeit für jedes einzelne Kind zu finden, entwickelte sich die Idee für ein „Buddy-Projekt“. Dabei werden Studierende Pate für jeweils ein Kind. Die Studierenden können sich für die individuelle Förderung und die Interessen der Kinder einsetzen.

Aus Sicht der Menschenrechtswoche fördert das Projekt einen interkulturellen Austausch und leistet einen wertvollen Beitrag zur Integration der Kinder und deren Familien und hilft ihnen in Würde in Deutschland anzukommen.

Die Anklagen-Redaktion redigiert die Druckfahnen – Bild: Menschenrechtswoche Tübingen

Ebenfalls nominiert die Menschenrechtswoche das Magazin ANKLAGEN. Das wird seit über 40 Jahren von der Redaktionsgruppe von Amnesty International in Tübingen herausgebracht Das Ziel ist es, über Menschenrechtsverletzungen zu informieren – auch über solche, die nicht im Fokus der Medien stehen. Die Zeitung wird Interessenten kostenlos zugeschickt.

Die Menschenrechtswoche findet, dass nur regelmäßige Information über Menschenrechtsverletzungen, diese weiter in Erinnerung hält. ANKLAGEN trägt deswegen dazu bei, dass die Menschenrechte in der Welt weiter im Gedächtnis der Menschen bleiben und mahnt gleichzeitig an, dass wir sie schützen müssen.

Die endgültige Entscheidung über den Preisträger liegt bei einer ausgewählten Fachjury, die sich aus Thomas Schwarz von der European Union Agency for Fundamental Rights, Irina Guidikova vom World Forum for Democracy, Martin Lessenthin von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte und dem Organisationsteam der Menschenrechtswoche zusammenstellt. Sie entscheiden darüber, welches der nominierten Projekte den Menschenrechtspreis 2017 erhält. Der Sieger wird am 19. Juni bekannt gegeben.

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