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Serie: Frust mit den StuRa-Finanzen – Teil 1: TICS 2016

Am 20. Januar hatte selbst das Schwäbische Tagblatt groß über den massiven Haushaltsüberschuss im Studierendenrat (StuRa) berichtet. Die Finanzreferentin Christin Gumbinger hatte sich darin erstaunt gezeigt, dass es anscheinend “immer weniger studentische Gruppen” gebe, die Anträge stellen. Wir hatten daraufhin auf unserer Facebook-Seite um Statements studentischer Gruppen zu ihrer Erfahrung mit dem Studierendenrat gebeten. Und die Geschichten kamen rein: Sie handeln von Bürokratie, schlechter Informationspolitik und daraus resultierender persönlicher Frustration. Sie zeigen auch: Das Engagement ist da, nur mit dem StuRa wollen viele nicht mehr zusammen arbeiten. Erster Teil unserer Serie zum Frust mit den StuRa-Finanzen.

Von Constantin Pläcking

Die erste Geschichte kommt von den Organisatoren der “Tübingen International Crisis Simulation” (TICS 2016). Dabei handelte es sich um ein Wochenende, an dem man in die Rolle von Regierungen schlüpfen kann und eine Krise mit internationaler Diplomatie lösen musste. Es geht also um politische Bildung. Das Erlebnis von Politik aus der Perspektive der Macher.

Die Organisatoren waren fleißig: Von den 3500 Euro des angestrebten Sponsorings sollten über 2800 Euro aus anderen Quellen kommen. Sei es von der Kreissparkasse, dem Innovationsfond oder vom Unibund. Knapp 700 Euro wollten sich die engagierten Organisatoren vom Studierendenrat besorgen. Hauptsächlich Werbematerial sollte davon bezahlt werden. Anfang Juli 2016 stellte der Finanzbeauftragte der Gruppe Simon Kuss einen Antrag. Penibel hatte er dabei auf die Förderrichtlinien geachtet. Kuss sollte zu einer Sitzung kommen, aber der Studierendenrat war nicht beschlussfähig. Nachdem er den Antrag vorgestellt hatte, wurde das Geld zwei Wochen später bewilligt. So weit, so gut. Die Finanzierungslücke war geschlossen.

Nach der Konferenz im Oktober 2016 sollte die Abrechnung gemacht werden, aber jetzt begannen die Probleme erst richtig. Auf diverse E-Mails am 10. Oktober und am 19. Dezember bezüglich der Auszahlung der zugesagten Förderung wurde weder vom AK Finanzen noch vom Geschäftsführenden Ausschuss (im Prinzip die Sitzungsleitung) reagiert. Die Fragen in den Mails: “Wo genau, wie und in welcher Form sollen wir unsere Rechnungen einreichen? Wie sehen die Abrechnungsmodalitäten aus?”

Keine Antwort zur Abrechnung vom AK Finanzen

“Bis heute haben wir diesbezüglich auf die Mails keine Antwort erhalten, obwohl der Antrag eigentlich mit den Stimmen aller Fraktionen angenommen wurde”, sagt Kuss am Freitag gegenüber Neckarstudent. “Wenn wir nicht wissen wo und wie genau wir Rechnungen einreichen sollen, können wir auch nichts abrechnen. Und da ich hier zum ersten Mal einen Antrag an den StuRa gestellt habe, habe ich auch keine Erfahrung wie das mit der Auszahlung beim StuRa abläuft.”

Eine kurze Info per Mail oder auf der Homepage hätte gereicht, sagt er, es sei aber “anscheinend zu viel erwartet.” Jede andere Förderinstitution habe einfache Abrechnungsrichtlinien und beantworte Fragen zu diesem Thema. Bis heute hat der Studierendenrat die knapp 700 Euro nicht ausbezahlt. Viel Zeit bleibt nicht mehr, denn der Studierendenrat hat erst kürzlich beschlossen, dass man Ausgaben in 2016 nur noch bis Ende März 2017 abrechnen darf.

Der Studierendenrat erklärt auf Nachfrage gegenüber Neckarstudent: “Der Mailaccount des GA wird durch mehrere Personen betreut, mit der einfachen Regel: Unbeantwortete Mails werden als ungelesen markiert. Dies wurde bei der Mail vom 19.12.16 nicht gemacht. Daher wurde sie übersehen. Das ist äußerst ärgerlich – auch für uns als Aktive. Wir werden daher noch mehr darauf achten, dass die einzelnen Aktiven in ihre Aufgaben besser eingeführt werden.”

Sie sehen die Verantwortung allerdings auch bei Kuss: “Wir konnten allerdings keine Mails von TICS an den Finanz-AK finden und weder während unserer Öffnungszeiten (Rätecafé) noch zu einem AK war jemand von TICS da, so dass die übersehene Mail tatsächlich dazu führte, dass das Thema liegen blieb. Das tut uns leid.”

Nachdem Neckarstudent am Samstag um eine Stellungnahme beim Studierendenrat zu dem Thema gebeten hatte, meldeten sich die Studierendenvertreter noch am selben Tag bei Simon Kuss. Über vier Monate nach der ersten Mail. Die Hoffnung ist also da, dass das Geld jetzt kommt. Was für Simon Kuss aber klar ist: Den Studierendenrat möchte er nur noch dann um Geld bitten, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Nach diesen Erfahrungen “ist die Motivation weitere Anträge zu stellen, halt nicht so hoch”.

Deine Gruppe hat Erfahrungen mit der Zusammenarbeit mit dem Studierendenrat gemacht? Gute und Schlechte. Wir würden die Geschichten gerne erfahren. Schreibt uns einfach an info@neckarstudent.de

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