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Kommentar: Das war LeFloids erstes großes Interview

Ein Kommentar von Constantin Pläcking

Gestern ging das lang erwartete Interview von Youtuber “LeFloid” mit Angela Merkel online.

Die Kritik zu LeFloids Merkel-Interview schlägt vor allem bei den klassischen Medien hoch. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt: “Mundt wirkte dabei wie ein Pennäler, der es kaum fassen konnte, in dieses Kanzleramt vorgelassen worden zu sein.”

Auf Tagesschau.de kommentiert Journalist Richard Gutjahr es sei ein “Heimspiel für die Kanzlerin gewesen”. Le Floid wirke wie ein “braver Stichwortgeber der sich von der Kanzlerin einlullen lässt”.

Die tageszeitung (taz) schreibt: “So bleibt das Gespräch eine einzige, politisch inhaltsleere und persönlich höchstens unter psychologischen Gesichtspunkten interessante Werbeveranstaltung in – jeweils – eigener Sache.”

Doch auch wenn diese Artikel im Grunde recht haben und das wirklich kein gutes Interview war, so bekomme ich das Gefühl nicht los, dass ich es wahrscheinlich nicht besser gemacht hätte. Angela Merkel ist ein Politik-Profi und mit ihrer gutmütig wirkenden Art, ist es schwer, ihr irgendwie böse zu sein oder sie zu ärgern. Das wäre wie wenn man die nette Nachbarin, die einem manchmal Kuchen backt, ärgern würde. Dabei vergisst man: Sie ist nicht umsonst Kanzlerin geworden und die Fassade ist Kalkül.

Beim Anschauen dieses Videos habe ich mich gefühlt, wie bei meinem Interview mit Annette Widmann-Mauz (CDU), Direktabgeordnete für den Wahlkreis Tübingen und parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium vor der Bundestagswahl 2013.

Viel zu sehr habe ich damals den Polit-Sprech erlaubt und habe mich einlullen lassen. Auch das ist LeFloid passiert. Es stimmt: Er hat Millionen Abonnenten und verdient Geld damit, aber er hat bis jetzt noch keine Erfahrung mit politischen Interviews gemacht. Hab ich auch nicht. Das darf man nicht vergessen und man sollte deswegen keine zu hohen Erwartungen an ihn stellen. Ich bin mir sicher, er ist sein eigener größter Kritiker bei diesem Interview. Und er wird auch daraus lernen. Da bin ich sehr sicher. Hoffentlich gibt es weitere Interviews von LeFloid bald im Netz. Darüber würde ich mich freuen.

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