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Nach der Wahl bleibt alles beim Alten – oder?

Auf den ersten Blick ist die Sache klar. FSVV und GHG gewinnen insgesamt 11 Sitze und damit einen mehr als noch 2014. Sogar ohne den Sitz der Linken (solid.SDS) kommen sie also jetzt auf eine (knappe) Mehrheit im Studierendenrat und können so weitermachen wie bisher. Die Liberale Hochschulgruppe wird zwar erstmals (prozentual) drittstärkste Kraft und gewinnt einen dritten Sitz hinzu, bleibt aber in der Opposition. Der RCDS verliert zwar leicht, verteidigt aber seine 4 Sitze (von denen ein Senator ist) und klarer Wahlverlierer sind die Jusos, die die Hälfte ihrer bisher 4 Mandate abgeben müssen.

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Dennoch lohnt bei dieser Wahl ein genauerer Blick auf die Wahlergebnisse. Tatsächlich sind nämlich weniger die Jusos als die Räte (FSVV + GHG) die Verlierer dieser Wahl. Nur weil es ihnen gelang bei der Senatswahl aufgrund der nicht kandidierenden Jusos 3 statt wie bisher 2 Sitzen zu erringen und weil „die LISTE“ den Einzug in den StuRa mit 26 Stimmen hauchdünn verpasste, konnten sie einen Sitz mehr erringen als im Vorjahr. Alle studentischen Senatsmitglieder sind Amtsmitglieder im StuRa. Nur 17 der 21 Sitze dort werden durch die eigentliche StuRa-Wahl verteilt. So kommt es zu der paradoxen und demokratisch fragwürdigen Situation, dass die Räte mit zusammen nur 43% der Stimmen mehr Sitze haben als die restlichen Listen mit 57%. Es war also die Senatswahl, die das Rennen für die Räte entschieden hat.

Ergebnisse der Uni-Wahlen (AStA und StuRa) historisch

Ergebnisse der Uni-Wahlen (AStA und StuRa) historisch

Schaut man sich zudem die Wahlergebnisse der letzten Jahre an, ist der Trend für die Räte negativ. Binnen 2 Jahren haben sie fast 22% der Stimmen verloren. Prozentual ist die FSVV klarer Verlierer der Wahl (-4,66%), die Grünen kommen auf das zweitschlechteste Wahlergebnis der letzten 9 Jahre. Obwohl man nun also die eigene Mehrheit ausgebaut hat, wird man nicht um die Frage herumkommen, ob man in den nächsten Jahren wirklich so weiter machen will. Katerstimmung herrscht auch sicherlich bei den Jusos. Anders als die anderen Listen waren sie in den letzten Jahren in ihren Wahlergebnissen sehr konstant. Der jetzige Einbruch markiert deshalb das schlechteste Ergebnis seit mindestens 9 Jahren. Auch hier muss man sich die Frage stellen, mit welchen Inhalten und Personen man künftig das sicherlich vorhandene Potenzial besser abgreifen will. Auch das Verhältnis zu den Räten auf der einen und zu dem LHG-RCDS-Lager auf der anderen Seite sollte geklärt werden.

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Apropos LHG: Freuen kann man sich in diesem Jahr wohl vor allem bei den Liberalen. Sie erreichte das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Bemerkenswert ist zudem, dass das sich inhaltlich nahe stehende LHG-RCDS Lager seit 2009 kontinuierlich Stimmen gewinnt – auch wenn der RCDS sich sicherlich ärgern wird, dass die LHG erneut ein besseres Ergebnis eingefahren hat als man selbst.

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Zuletzt noch ein Blick auf solid.SDS und die LISTE. Erstere haben ihr Ergebnis aus 2014 um gut 1,1% verbessert, verbleiben aber bei einem Sitz. Weil die Räte nun wieder eine eigene Mehrheit haben, ist die Rolle von solid.SDS nun nicht mehr so zentral wie bisher. Dennoch bleibt festzuhalten, dass sie die einzige Gruppe der bisherigen Mehrheitsfraktionen sind, die Stimmanteile gewinnen konnte. Die LISTE hingegen hat ihr Wahlziel 100%+x ganz knapp verpasst. Mit 4,85% fehlten ihr schlussendlich nur 26 Stimmen oder 0,07% zum Einzug in den StuRa. Gelingt es im kommenden Jahr präsent zu bleiben, ist mit ihnen aber bei der nächsten Wahl sicherlich zu rechnen.

Unterm Strich bleibt im StuRa wohl also tatsächlich alles beim Alten. Für die vermeintlichen Gewinner dieser Wahl sollte das Ergebnis aber dennoch ein Weckruf sein.

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