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„Widerstand ist Pflicht“ – Eine mitreißende Dokumentation

Am Samstag hatte in Mössingen ein Dokumentarfilm Premiere, der sich mit dem sogenannten „Mössinger Generalstreik“ befasst. Dieser war die einzige öffentliche Demonstration gegen Hitler in Deutschland. Der Film begleitet ein Theaterprojekt des Melchinger Lindenhof Theaters mit über hundert Laiendarstellern. Unter ihnen auch die Tochter eines der Anführer des Generalstreiks.

Von Constantin Pläcking

Wer nicht aus der Region stammt, der hat davon wahrscheinlich noch nichts gehört. Der Mössinger Generalstreik. Dieser sollte allerdings bekannter in Deutschland sein, denn er war das einzige Ereignis in Deutschland, bei dem Menschen während des Dritten Reiches öffentlich bekannt haben: „Wir sind gegen Hitler“. Jetzt hat ein Dokumentarfilm Premiere gehabt, der sich mit dem Generalstreik befasst und ein Theaterprojekt begleitet, das diesen zur Aufführung gebracht hat. Hauptdarstellerin ist Andrea Ayen, die Tochter eines der Generalstreik-Organisatoren. „Ich war ganz aufgeregt als ich mich zum ersten Mal auf der Leinwand gesehen habe. Das hat man körperlich und psychisch gespürt“, sagt sie.

Der Film ist eine ganz besondere Dokumentation. Er zeigt auch schwierige Phasen der Proben zum Stück. Phasen in denen man die Geschichte, die das Stück beleuchten soll, auch als Mitwirkender spürt. All das fängt die Kamera ein. Man fühlt mit den Protagonisten mit und merkt, wie viel Arbeit es ist, ein Theaterprojekt mit über hundert Darstellern zu stemmen. Man schaut Theater-Regisseur Philipp Becker über die Schulter und kann sich so auch in ihn hineinversetzen. Wie schwer hatte er es eine solche Truppe auf Trapp zu bringen.

[vimeo http://vimeo.com/94537861]

Gleichzeitig schafft es der Film nicht langweilig zu werden, auch wenn es an einigen Punkten im Film den Theaterleuten langweilig war. Gerade daraus baut Regisseurin Katharina Thoms einen Spannungsbogen, weil man weiß wie viel Arbeit noch vor den Darstellern liegt.

Während man sich in die Produktionsbedingungen hineinversetzt, erzählt einem der Film die Geschichte des Mössinger Generalstreiks. Dazu begleitet er Andrea Ayen und Schauspieler Martin Rottach, wie sie in Mössingen auf Spurensuche gehen. Sie laufen den Weg des Generalstreiks ab und machen sich Gedanken. Doch rechtzeitig bevor es zu viel Text werden könnte, zeigt der Film wieder Szenen der Proben und des Stücks. Genau das worüber geredet wurde.

Zwei Jahre hat Regisseurin Thoms für das Projekt gebraucht und es hat sich für sie gelohnt. Der Film ist ein interessantes Stück Zeitgeschichte, denn er thematisiert auch die Probleme die das Stück in der Bevölkerung hatte. Einige Mössinger waren gegen eine Aufarbeitung des Generalstreiks, denn dieser wurde von der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) organisiert.

Mein Premierenbericht für den SWR: http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw/tuebingen/premierenbericht-widerstand-ist-pflicht/-/id=1602/nid=1602/did=15005078/m3epel/index.html

Mehr Infos auch zu den Aufführungsterminen: http://www.widerstandfilm.de/

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