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Ausstellung „Der Fotografierte Krieg“ – Die Fotografie als Propagandamittel im Ersten Weltkrieg

100 Jahre Erster Weltkrieg – Anlässlich dieses Jubiläums wird im Tübinger Stadtmuseum eine Ausstellung gezeigt, die sich nicht nur mit den Geschehnissen von damals befasst, sondern vor allem mit der Art und Weise, wie diese, mithilfe der Fotografie, für die Nachwelt festgehalten wurden.

Von Anna Schaden

Der Beginn des Ersten Weltkriegs hat sich im vergangenen Jahr zum 100. Mal gejährt, infolgedessen gab es zahllose Auseinandersetzungen mit den Geschehnissen dieses epochalen Ereignisses. Im Tübinger Stadtarchiv lässt sich derzeit eine Ausstellung betrachten, die den Fokus auf einen besonderen Aspekt dieses Krieges legt: Die Fotografie und wie sie sich im Rahmen der Geschehnisse als Massenmedium etablierte und sowohl als Propagandainstrument, als auch von Laien, zur Dokumentation genutzt wurde.

Von militärischen Geländeaufnahmen, über Abbildungen des Frontverlaufes, bis hin zur propagandistischen Darstellung der „Kriegshelden“, wurden Fotografien in einem Maße genutzt, wie es bis dahin nicht möglich gewesen war. Nicht nur die professionellen Fotografen machten Gebrauch von der Fotografie, auch beispielsweise Soldaten, die ihren Alltag Dokumentierten oder Grüße in die Heimat sandten. Es wurden Leid und Tod genau so festgehalten wie vermeintlich alltägliche Motive, wie Gruppenaufnahmen, Portraits oder Landschaftsbilder. Alles vor dem Hintergrund des Krieges und der Zerstörung. Viele so entstandene Bilder lassen sich in der Ausstellung betrachten, die mehr als nur eine Darstellung der Fotos bieten will. Im Vorfeld wurde eine detaillierte Untersuchung und bildwissenschaftliche Analyse der Bilder durchgeführt. Diese sollte klären, was die Funktionen der Bilder waren, wie die Geschichten des Krieges transportiert wurden und wie sich der Krieg visuell beim Betrachter verfestigte. Einen Teil der Antworten auf all diese Fragen findet der Besucher bei der Betrachtung der Exponate, weitere bei der Lektüre des ausführlichen Kataloges  „Der fotografierte Krieg. Der Erste Weltkrieg zwischen Dokumentation und Propaganda“, der im Rahmen der Ausstellung erstellt wurde. Eine ebenso kritisch- analytische, wie für die Ausstellung künstlerische Auseinandersetzung soll den Besucher ansprechen und anregen, die Fotografien nicht als objektive Darstellungen, sondern als die Abbildungen subjektiver Wahrnehmungen anzusehen.

Besonders dabei ist nicht nur der Fokus auf das Medium. Auch wird das Augenmerk auf Tübingen gelegt und darauf, inwiefern die Stadt Schauplatz des Krieges war und wie die Tübinger den Krieg erlebten, was er für sie bedeutete. Nach einem Aufruf des Schwäbischen Tagblattes reichten zahlreiche Tübingerinnen und Tübinger private Stücke ein und trugen so dazu bei, dass Schicksale Tübingens nun authentisch und anschaulich erzählt werden können. Diese historischen Dokumente, die wie die Materialien aus dem Tübinger Stadtarchiv und Stuttgarter Sammlungen detailliert untersucht wurden, geben viel Aufschluss über die Zustände damals. Auch, dass die Rückschlüsse, die daraus gezogen wurden, verallgemeinerbar sind, und man anhand der Tübinger Bilder generalisierbare Aussagen machen kann. Für den Betrachter ist es jedoch umso spannender, Tübinger Gegenden wiederzuerkennen und zu realisieren, dass sie einst auch Schauplatz des Krieges waren.

Wer einen Eindruck von den Bildern und Ausstellungsstücken gewinnen und sich kritisch mit den Fotografien auseinandersetzen möchte, hat noch Zeit: die Ausstellung läuft bis zum 1. März 2015.

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