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Nächtlicher Farbanschlag auf Verbindung

Verbindungshäuser in Tübingen sind immer wieder Ziel von Farbanschlägen. Wohl wegen der Lage trifft es häufig die Burschenschaft Germania direkt an der Neckarbrücke. Gestern Nacht hat es einen weiteren Farbanschlag gegeben. Diesmal war die Akademische Verbindung (AV) Igel das Ziel der Attacke. Jetzt sind ein Fenster und die bemalte Hauswand mit farbigen Klecksen besprenkelt, die Reparatur und vor allem das neu malen des beschmierten Wappens könnte teuer werden.

Foto: Simon Gollasch - AV Igel

Das neu malen des Wappens könnte teuer werden. – Foto: Simon Gollasch/ AV Igel

Zwischen drei und vier in der Nacht sind sie gekommen. Bewaffnet mit ausgeblasenen und mit Lackfarbe befüllten Eiern. Diese haben die Angreifer dann gegen das Verbindungshaus der AV Igel in der Schlossbergstraße geschmissen und dabei wohl einen größeren Sachschaden angerichtet. “Ich habe mehrere Menschen ums Haus laufen gehört”, sagt Lukas Schubart, Senior der AV Igel, “allerdings habe ich dabei nur an andere Verbindungen gedacht.” Der Hausmeister sei sogar aufgestanden, doch da seinen die Angreifer schon längst wieder weg gewesen.

“Das mit dem Wappen ist besonders ärgerlich”, sagt Schubart, “das muss wohl neu gemalt werden.” Und das könnte teuer werden. Direkt wurde Anzeige bei der Polizei erstattet, die den Bundesbrüdern allerdings keine große Hoffnung auf Aufklärung des Falls macht.

Trotzdem wird auf dem Haus der AV Igel überlegt, wer für den Anschlag verantwortlich sein könnte. “Ich vermute, dass die Täter nicht aus dem Umfeld der anderen Verbindungen kommen. Das passt einfach nicht ins Profil. Da fliegen eher Bierflaschen”, sagt Schubart. “Eher vermute ich die Täter im linksradikalen Lager.” Er möchte das allerdings nicht definitiv behaupten. Es hätten auch einfach Randalierer sein können.

Stimmt die Vermutung, dass es sich um linksradikale Täter handelt, fragt sich Schubart warum gerade die AV Igel Opfer der Attacke wurde. “Wir haben weder Bänder noch Farben. Auf unserem Dach weht die Europafahne.” Außerdem ist die AV Igel auch nicht für rechtsradikales Gedankengut bekannt. Sie nehmen Mitglieder jeglicher Herkunft auf, wenngleich diese nur männlich sein dürfen.

Vielleicht ist die Auswahl auch ganz anders passiert. “Unser Haus wird nachts angestrahlt und ist von der ganzen Stadt aus zu sehen”, sagt Schubart. Vielleicht haben man sich einfach gedacht, dass dieses Haus jetzt dran sei.

Update (16.1.15/ 18:30): Die Polizei spricht von 5000 Euro Sachschaden. (cp)

Weiterführend: Eine Gruppe, die sich “autonome Verbindungsmanipulateure” nennt, brüstet sich 2013 damit, ein Verbindungshaus in Tübingen angeschmiert zu haben.

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6 Responses

  1. Solche Farbanschläge finde ich eher uncool. Es sollten Argumente – und da gibt es sicherlich ausreichend – geäußert werden und nicht einfach mit Farbe geschmissen. Solche Taten von Einzelnen fallen – wie dieser Bericht zeigt – immer auf alle , auch völlig unbeteiligte Gruppen zurück. Damit beziehe ich mich vor allem auf deine Verlinkung, wird hier doch unterstellt, dass dies “Die Linke Szene” gewesen sei, wo im Link doch eindeutig steht, dass dies eine – vermutlich – Gruppe von “autonomen Verbindungsmanipulateuren” war. Alle linken und autonomen Gruppen in Sippenhaft zu nehmen finde ich ebenso scheiße, wie alle Burschenschaften und Verbindungen in einem Topf mit den möglicherweise zu recht als “rechts” und “rassistisch” bezeichneten zu werfen. (Ich bin leider nicht ausreichend tief im Thema drin, um wirklich sagen zu können, ob diese Vorwürfe stimmen.)

    Außerdem wäre es schön, wenn du bei dem Link noch kennzeichnen könntest, dass es sich nicht um den aktuellen Farbanschlag dreht – bei dem die Täter_innen noch völlig unbekannt sind -, sondern um einen von 2013. Das könnte nämlich sonst durchaus missverstanden werden (und wie die Kommentare bei Indymedia zeigen auch missverstanden wird). Ob man erwähnen muss, dass du privat selbst in einer Verbindung – der Stuttgardia – bist, weiß ich nicht. Ich denke, das wird deine Berichterstattung nicht beeinflussen.

    (Disclaimer: Ich bin in einer Gewerkschaft und aktuell einer Fachschaft dabei. Ich weiß nicht, ob ich dadurch beeinflusst werde/wurde, kann es aber nicht ausschließen.)

    1. cplaecking

      Ok, linke Szene wird geändert. Das verstehe ich. Ich habe mich aufgrund meiner eigenen Mitgliedschaft bei der Stuttgardia extra mit einem Kommentar zurückgehalten.

      1. Jetzt machst du mich neugierig: In welche Richtung wäre dein Kommentar denn gegangen? Ich meine, soweit ich das hier verstehe, ist noch völlig unklar, ob es sich um eine linksradikale Gruppe handelt, Einzeltäter, andere Burschenschaftler/Verbindungsleute oder irgendwer anders. Für andere Täter spricht ja eigentlich dass das Vorgehen doch deutlich anders ist als beim letzten Farbanschlag 2013 (bei dem dem Fotos nach eher … Wasserballons? oder ähnliches eingesetzt wurde).

        1. cplaecking

          Wie du richtig sagst, wissen wir es nicht. Ich glaube allerdings, dass nicht wirklich jemand anderes dahinter stecken kann, als eine linksradikale Gruppierung/ linksradikaler Einzeltäter. Warum würden Randalierer sich so akribisch vorbereiten. Dazu gehört Eierschalen sammeln diese auffüllen und mit Wachs verschließen. Solche Taten sind meines Wissens von anderen Verbindungen noch nie vorgekommen. Da gibt es Bierflaschen, da gibt es Bierkästen, da wurden auch schon Türen eingetreten. Aber nie Farbe. Das bei den Igeln ist nicht aus einem betrunkenen Affekt heraus entstanden. Meine Annahme wird dadurch auch weiter bekräftigt, dass es Anschläge dieser Art immer wieder gibt und dass bestimmte Gruppen aus dem linksradikalen Spektrum sich auch dazu bekennen. Dabei ist unwichtig wie die Farbe an die Wand gebracht wird. Das “Anschmieren” ist charakteristisch.

          Deswegen ist von einem Anschlag mit politischem Hintergund auszugehen. Die nächste Frage ist da natürlich auch: Warum AV Igel? Es gibt in Tübingen deutlich konservativere Verbindungen. Die Igel sind liberal. Schon immer gewesen. Rechtes Gedankengut hab ich da noch nie gehört. Einige Sachen, die von “linker” Seite oft kritisiert werden, das gibt es da schon: Männerbund, Fuxenstatus und “Seilschaften”. Allerdings nicht: Deutschtümelei, Fechten, rechte Redner. Natürlich gibt es da CDU-Leute. Wer der aber das Demokratische absprechen will, der hat sie nicht mehr alle.

          Das mit den “Seilschaften” finde ich übrigens lächerlich zu kritisieren, denn in “linken” Gruppierungen gibt es die auch. Genau so wie im Sportverein. Es bedeutet nämlich nur, dass man jemanden bevorzugt behandelt, weil man ihn schon kennt. Und ganz ehrlich, wenn ein Stuttgarde zu mir käme mit was, dann müsste der sich genauso beweisen wie andere. Wäre ich Unternehmer würde ich ja auch die besten wollen.

          Lustig finde ich auch, dass in kritischen Schreiben, wie dem Anti-Verbindungs-Reader Verbindungen generell politisch gemacht werden. Die allermeisten haben überhaupt keinen politischen Charakter. Verbindungen die Burschenschaft heißen, haben traditionell politische Ziele. Corps etwa sind unpolitisch.

          Ich bin Grundsätzlich der Meinung, dass politische Außeinandersetungen immer gewaltlos passieren müssen. Dazu gehört auch Gewalt an Sachen. Immerhin gehört das, was man kaputt macht irgendwem. Und es ist wirklich immer ein riesen Geschiss das reparieren zu müssen.

          Das ist nicht das erste Mal. Es gibt sogar einen Blog, der das alles festhält. https://iftuz.wordpress.com/ (Über den Namen kann man sich streiten, aber er dokumentiert Übergriffe auf Verbidnungen)

          Disclaimer: Ich kenne die Unterschiede der linken Szene nicht. Das zu erfahren fände ich allerdings recht interessant das herauszufinden. Deswegen rede ich von “linken” Gruppierungen.

  2. Pingback : Farbangriff in Tübingen | Initiative für Toleranz und Zivilengagement

  3. Pingback : Parolen an Verbindungshäusern – Gemischte Verbindung als sexistisch bezeichnet | neckarSTUDENT

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