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Liebesgrüße aus Moskau – Russlands Botschafter in Tübingen

Der Russische Botschafter Wladimir Grinin. - Bild: Russische Botschaft

Der Russische Botschafter Wladimir Grinin. – Bild: Russische Botschaft

Von Marcel Thomkins

Am vergangenen Montag wurde der beschaulichen Universtätsstadt Tübingen die Ehre zuteil den Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland, Wladimir Grinin, als Gast begrüßen zu dürfen.

Nach dem Pflichttermin bei OB Palmer und anschließender Eintragung ins Goldene Buch der Stadt folgte am Abend sein mit Spannung erwarteter Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung “‘Clash of Civilizations’: Feindbilder in interreligiösen Beziehungen und internationaler Geopolitik”.

Der Hörsaal im Kupferbau war mit rund 600 Interessierten gut gefüllt, und die Anwesenheit von mehreren Flyerverteilenden Aktivisten von Amnesty International sowie Heike Hänsel, MdB von der Partei ‘Die Linke’ versprachen für den Abend eine interessante Debatte.

Es folgte für eine Stunde die ungefilterte Position des Kremls bezüglich der “nationalistischen Regierung” in Kiew, der “demokratisch tadellosen” Sezession der Krim und den “beurlaubten” russischen Soldaten in der Ost-Ukraine. Die russische Regierung sei schon immer die treibende Kraft für Frieden in Europa gewesen. Trotz einer derart kritiklosen Selbsteinschätzung blieb es bis auf zwei Zwischenrufe aus den Reihen der Zuhöher gelangweilt still.

Interessanter und auch menschlicher wurde die Veranstaltung erst, als Fragen aus dem Publikum zugelassen wurden. Mehrere Slawistik- Dozenten befragten den Botschafter nach einer Unterdrückung der oppositionellen Zivilgesellschaft in Russland und wie eine Machtpolitik des 19.Jh. Mit den Ansprüchen moderner Diplomatie zu vereinbaren sei.

Doch weitere Wortmeldungen zeigten deutlich, wie zwiegespalten die deutsche Öffentlichkeit in der Frage nach dem rechtem Umgang mit Putin-Russland ist. MdB Heike Hänsel warb für Verständnis für die russische Position, prangerte die ebenfalls Interessen-geleitete US-Politik in der Ukraine an und erntete dafür starken Applaus.

Botschafter Grinin gab deutlich zu erkennen, dass auch er unter dem momentanen Abkühlen der Ost-West Beziehungen leidet, und warb immer wieder für eine Aufrechterhaltung der Gesprächskanäle. Etwas entmutigt erklärte er, dass “Russland Teil von Europa ist, ob man nun will oder nicht.”

Gegen Ende der Debatte wurde der Ton deutlich versöhnlicher und der 68-Jährige erntete tosenden Applaus für die Schlussnote: “Gewiss weist unsere Demokratie noch Defizite auf und wir könnten viel von der deutschen Demokratie lernen. Dafür müssen wir aber im offenen Austausch bleiben”

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass die politischen Verhältnisse bis auf weiteres frostig bleiben werden, doch auch die Hoffnung, dass die persönlichen und kulturellen Verbindungen zu diesem Teil Europas die derzeitige Spaltung eines Tages überwinden können.

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