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Geldmacherei oder Mehrwert? – Mockingjay Teil Eins

Das Finale der Panem-Trilogie von Suzanne Collins wurde für die Leinwand in zwei Teile gesplittet. Johannes Kolb war bei der Premiere von Mockingjay Teil Eins im Kino und sagt euch, ob der Besuch sich lohnt.

“Never change a winning team” – Dieses Sprichwort gilt in Hollywood ganz besonders. Schließlich funktioniert Jennifer Lawrence als Katniss mit Liam Hemsworth in der Rolle von Gale an ihrer Seite ganz prächtig: die ersten beiden Teile der “Hunger Games” spielten gemeinsam über 1,5 Milliarden US-Dollar ein. Um aus den drei Buchvorlagen einen maximalen Gewinn zu erzielen, wurde der finale Band kurzerhand nach Vorbild von “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes” in zwei Parts aufgeteilt, Mockingjay eins und zwei. Ist das nun reiner Kommerz oder wird die Geschichte so tatsächlich besser erzählt?

Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen. - Bild: Studiocanal

Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen. – Bild: Studiocanal

Für den dritten Teil der Verfilmung stand erneut ein erhöhtes Budget zur Verfügung, als Zuschauer freut man sich daher über exzellente Bilder und eine sehr stimmige Atmosphäre. Viele Fans der Bücher waren besonders mit der ersten Hälfte des letzten Buches nicht sonderlich zufrieden, spielt sich die Handlung doch größtenteils in der unterirdischen Bunkeranlage der Rebellen von Distrikt 13 ab. Dem Film ist es gelungen, diesen eher trostlosen Schauplatz mit viel Liebe zum Detail interessant darzustellen. Auch die anderen Orte der Handlung sind perfekt in Szene gesetzt – technisch und von der Ausstattung her kann Mockingjay Teil Eins im Vergleich zu den beiden Vorgängern noch eine Schippe drauflegen.

Gleichbleibend exzellent ist die Schauspielleistung von Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence. Wieder spielt sie sehr überzeugend Katniss Everdeen, die einerseits noch eine sehr junge und manchmal unsichere Frau ist und andererseits zur Symbolfigur einer Rebellion, die sie nie starten wollte, wurde. Im Vergleich zu den ersten Filmen muss sie nicht nur den brutalen Kampf in der Arena überleben, sondern ist wichtigster Teil des Widerstands gegen Präsident Snows Unrechtsregime. Anfangs möchte und kann sie das überhaupt nicht sein, mit jeder erlebten Gräueltat der Kapitol-Streitkräfte wächst jedoch ihr Wille, das bestehende Unrecht zu beenden. Der Wandel vom traumatisierten Mädchen zur wild entschlossenen Revolutionsführerin ist gut dargestellt und bereitet als Zuschauer viel Freude, denn nie wirken Katniss’ Entscheidungen gekünstelt.

Etwas wehmütig wird man dagegen bei den vielen Szenen mit dem großartigen Philip Seymour Hoffman als Plutarch Heavensbee. Mockingjay Teil Eins war die letzte Kinorolle vor seinem Tod.

Der 122 Minuten lange Streifen hatte nur sehr wenige Längen und fesselte das Kinopublikum durchgehend, inklusive einem Schockmoment, bei dem der ganze Saal kollektiv zusammengezuckt ist. Natürlich ist es Geldmacherei, den dritten Teil der Buchtrilogie in zwei Filmen ins Kino zu bringen – Spaß macht das als Zuschauer aber allemal. Und seien wir ehrlich: In den dritten Teil von “der Hobbit” gehen wir doch auch alle. Und die Buchvorlage dazu umfasst gerade einmal 300 Seiten.

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