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Moderne Feministin oder frustrierte Männerhasserin? – Anne Wizorek bei Querfeldein

Von Kathrin Kammerer„Ich habe ihr Buch gelesen. Aber die Kritiker haben es schlecht bewertet“, sagt eine junge Frau im Publikum. „Wahrscheinlich waren die Kritiker Männer“, folgert ihre Freundin. Es ist ein schon so oft durchdiskutiertes aber immer noch brandaktuelles Thema, über das an diesem kalten Wintertag im Ribingurumu diskutiert wird.

Anne Wizorek ist bei „Querfeldein“ zu Gast. Die Netzfeministin, die im Januar 2013 bei Twitter den Hashtag #Aufschrei initiiert hatte, unter dem daraufhin eine ganze Welle an Erfahrungen mit Alltagssexismus beim Onlinedienst gepostet wurden und welcher eine grundlegende Debatte ins Rollen brachte. Der Frauenüberschuss im Publikum ist groß, an diesem Abend.

Moderatorin Sabine Volk spricht die Vorurteile an, mit denen viele Feministinnen konfrontiert werden. Wizorek kennt diese Klischees zu gut: „Feministinnen sind hässlich, frustriert, haben keinen Sex – das hab‘ ich auch alles schon zu hören bekommen. Aber diese Vorurteile diesen nur dazu, die Argumente der Frauen auszuhebeln“, entgegnet sie. Viele Männer hätten Angst, dass die Frauen die Macht an sich reißen, wenn man ihnen gleiche Rechte und Chancen zuspreche, sagt die Netzfeministin. „Und diese Angst ist ja gleichzeitig ein Eingeständnis, dass etwas falsch läuft, dass ein Ungleichgewicht herrscht, dass Männer momentan mehr Macht haben“.

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Anne Wizorek bei Querfeldein – Foto: Kathrin Kammerer

Ein Thema, an dem ihr Herz besonders hängt, ist die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen im Alltag. Dass die Pille danach immer noch rezeptpflichtig ist, sei nur ein Beispiel für die Ungerechtigkeit in diesem Bereich. „Dass man darüber überhaupt noch diskutieren muss, ist schon schlimm genug“, sagt Wizorek. Ob ihre Argumente, ja ihre Themen denn nicht etwas veraltet seien, will Moderatorin Sabine Volk wissen. „Ja, sie sind alt. Aber die Probleme existieren immer noch, das ist doch der Haken.“ Hat die #Aufschrei-Debatte dann wenigstens etwas bewirkt? „Ja, das hat sie“, ist sich Wizorek sicher. „Eine Umfrage hat gezeigt, dass besonders junger Erwachsene seitdem ihr Verhältnis zum anderen Geschlecht überdacht haben“, erklärt sie den Zuhörern. „Und das ist doch schon ein großer Fortschritt“.

Was man denn sonst noch gegen Sexismus tun kann, fragt Moderatorin Sabine, außer etwa eine Kampagne bei Twitter ins Leben zu rufen. „Das fängt bei kleinen Sachen an, erklärt Wizoek. „Du erzählst den Leuten in deinem Umkreis von dem, was wir tun, du setzte sich für Betroffene ein.“ Besonders Männer sollen, wenn es nach ihr geht, in Situationen, in denen Frauen konkret mit Alltagssexismus konfrontiert werden, eingreifen. „Dazu muss man dem Täter keine reinhauen, vielmehr geht es darum, Präsenz zu zeigen, klar zu machen, dass man gegen Sexismus ist “.

Ist sie nun eine moderne Feministin oder vielmehr eine frustrierte Männerhasserin? Diese Frage ist am Ende des Abends schwer zu beantworten. Wizorek hat auch Gegenwind aus dem Publikum bekommen, bezüglich Frauenquote beispielsweise. „Ich habe das Gefühl, viele Männer Anfang 20 sind verweichlicht“, stellt ein Zuhörer zudem fest. „Braucht man im Endeffekt vielleicht auch für Männer eine Bewegung, damit sie wieder in ihre Geschlechterrolle finden?“ Wizorek lässt dies offen. Sie findet nicht, dass es solche Männer gibt. Direkte Lösungsvorschläge liefert die Netzfeministin an diesem Abend aber kaum. Wie man Alltagssexismus also wirklich kurzfristig begegnen kann und soll, das muss sich jeder Zuhörer dann doch selbst überlegen, anhand der Anregungen, die er an diesem Abend bekommen hat.

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