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Best-Of: Brasilien-Produkte

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Wer kennt das nicht? Wenn ein Land für irgendeinen Grund als “trendy” gilt, oder wenn da irgendein Riesensportevent stattfindet, wird das natürlich für Werbezwecke genutzt. Und damit dieses Land für ein großes Publikum wiedererkennbar wird, wird es natürlich mit sehr, sehr vielen Klischees dargestellt (meistens nur positiven oder, wenn möglich, “exotische”). So klischeehaft, dass ich den Text bewusst mit dem klischeehaftesten Satz überhaupt begonnen habe.

Ich weiß, ich wiederhole mich langsam hier beim neckarSTUDENT: meine letzten zwei Texte gingen um die WM und um Brasilien, für die gleichen Gründen, die schon in vorherigen Texten genannt wurden: weil ich selber von dort bin, aber zurzeit in Tübingen lebe und so weiter und so fort. Ich verspreche euch, es wird der letzte dieser Art sein. Eigentlich hätte dieser Beitrag schon früher erscheinen sollen, aber das Semester ging leider auch während der WM weiter. Aber diesmal geht es nicht mehr direkt um die WM, sondern um einen Nebeneffekt davon, nämlich um Brasilien-Produkte, oder besser gesagt, um Produkte, die irgendwas mit Brasilien zu tun haben (wollen). Hier eine kleine selbstgemachte Best-Of-Liste:

DIE WM-MAULTASCHEN

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Grill “¡Sensãçion!”? Was ist das für eine Sprache? Spanisch? Portugiesisch? Nein, eine interessante Mischung aus beiden (eine Art Portuñol?). “Sensação” (PT) + “Sensación” (ES) = Sensãçion, plus umgekehrte Ausrufezeichen, was es theoretisch nur im Spanischen gibt. Toll, oder? Leider spricht man eigentlich nur Portugiesisch in Brasilien. Naja, ein Versuch war es wert.

DER CAIPI-GHURT

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Ah, die Wunder des modernen Lebens: hätte jemand vor, sagen wir, 30 Jahren gesagt, es wäre eines Tages möglich, einen Joghurt mit Caipirinha-Geschmack zu entwickeln, wäre er für verrückt gehalten. Aber heutzutage ist so was schon eine Realität. Caipi-Joghurt! Was für eine wunderbare Welt, in der wir leben.

Leider sind die Infos nicht mehr abrufbar, aber auf der Hersteller-Webseite enthält der besonders für die WM 2014 erschaffene Produkt 0,2% JAMAICA-RUM und keinen Cachaça, warum auch immer. Auf jeden Fall heißt das: nein, es ist leider noch nicht möglich, mit Joghurt betrunken zu werden. Schade.

BRASILIEN-CHIPS

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Rodizio-Style Grillfleisch und Samba-Style Sauerrahm-Chili. Das Fleisch kann ich schon verstehen, aber Sauerrahm-Chili? Klingt eher Deutsch-Mexikanisch für mich. Eine kleine Erklärung: In Rodizio-Restauranten werden abwechselnd verschiedene Fleischsorten von einem Kellner angeboten. Könnte es dann sein, dass jeder Chips anders schmeckt? Man kann nur spekulieren. Den Neymar-Doppelgänger finde ich eigentlich ganz lustig, aber diese Frau, die kommt mir irgendwie bekannt vor. Wo habe ich sie schon gesehen?

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Natürlich: bei einer anderen Chipspackung, diesmal von Kaufland! Und natürlich auch mit Samba-Geschmack! Wie auch immer Samba schmecken soll.

Eigentlich war die Chipsfrau nicht nur auf Chipspackung, sondern auch bei einer ganzen Reihe von Kaufland-Produkten zu sehen:

DAS KAUFLAND-SORTIMENT

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Ein Bild für jedes Brasilien-Produkt von Kaufland wäre nicht möglich, es sind einfach zu viele. Die nahmen fast den ganzen Platz des Werbeprospekts weg! So wichtig sind wir also jetzt geworden. Dass es Sambareferenzen und eine klischeehafte Mulattin gekleidet in Karnevalkostüm geben würde, war schon zu erwarten. Eines hat mich allerdings überrascht:

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Feijoada-Pizza? Echt gewagt. Für diejenigen, die es nicht kennen, ist Feijoada ein ziemlich kräftiges brasilianisches Gericht, ein Eintopf mit Reis, Bohnen, und verschiedenen Stücken Schweinefleisch, von Räucherwürstchen über Schweineohren und -füßen bis zum Ringelschwanz (!). Oder, wie es die Zeitschrift Titanic neulich beschrieb: “[E]in Fleischeintopf aus allem, was man in Deutschland als Bestandteil für Chicken-Mc-Nuggets für nicht mehr vertretbar hält. Dazu kommen schwarze Bohnen und Reis, was allerdings auch nichts mehr hilft.” Ich finde es trotzdem lecker und kann es nur empfehlen. Das gleiche kann ich nicht über die Feijoada-Pizza sagen. Ich habe sie zwar noch nicht probiert, aber sieht auch nicht so aus, als ob es schmeckt, oder? Ich meine, Bohnen auf der Pizza? Komisch. Immerhin, vielleicht schmeckt es besser als Hawaii-Pizza. Igitt!

WEIN STATT CAIPIRINHA

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Wein? Aus Brasilien? Soll das ein Witz sein? Nein, ausnahmsweise nicht! Wein wird in Brasilien hergestellt, da viele Italiener im 19. und 20. Jahrhundert in den eher kühleren Süden des Landes ausgewandert sind. Dass es dort auch viele Berge gibt, hat auch nicht geschadet. Berge + Kühles Wetter + Italiener = Wein! Deswegen haben wir heutzutage das drittgrößte Weinbaugebiet Südamerikas, hinter Argentinien und Chile. Ob die “Brazilian Soul” Weine gut sind? Kann ich nicht sagen, da ich mich mit Wein nicht so gut auskenne. Aber bei uns zumindest haben die einen guten Ruf und schlecht sehen sie zumindest nicht aus. Teuer sind sie auch nicht, 4,99 Euro die Flasche, und immerhin keine Karneval-Mulattin auf dem Etikett. Ein guter Anfang.

WODKA STATT CAIPIRINHA… WIRKLICH?

puschkin_vodka_BRWodka? Aus Brasilien? Soll das ein Witz sein? Ja, diesmal schon. WM-Wodka mit Graviola-Frucht-Geschmack und Absinth-Farbe, eine interessante Mischung. Graviola heißt auf Deutsch Stachelannone und ist eine tropische Frucht, die eigentlich so gut wie nichts mit Wodka zu tun hat. Auf jeden Fall kreativ. Nur eines kann das toppen:

BIER AUF BRASILIANISCH

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“Champagne, Wasser, Bier brasilian. Müsse heute alles. Alle.”

Und damit haben wir noch ein europäisches Getränk mit tropischer Frucht: Bier mit Cupuaçu! Das finde ich cool an Deutschland: es ist weltweit bekannt als Land des besten Bieres aber ist sich gleichzeitig nicht zu schade, die skurrilsten Mischungen daraus zu machen. Hut ab! Ah, und wer ist der kleine dicke Brasilianer neben den Flaschen? Der Mann, die Legende:

AÍLTON, EINFACH AÍLTON

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Dieser Mann ist für mich ein Geheimnis. Kaum jemand erinnert sich an ihn in Brasilien, hier in Deutschland war er aber zur WM-Zeit omnipräsent: jede Woche sah ich ihn auf dem Werbeprospekt von Netto. Nicht nur da war er tätig: auch bei Werbung von der Konkurrenz, nämlich von Rewe, war kleines dickes Aílton zu sehen, zusammen mit Thomas Müller. Sogar bei der Autoball-WM von Stefan Raab war er dabei! Angesichts seiner finanziellen Situation, ist es kein Wunder, dass er bei allen mitmacht… Und kann es sein, dass Netto ihn mit Photoshop ein bisschen dunkler gemacht hat? Oder war er einfach zu lang in der Sonne? Verdächtig.

Aber zurück zu dem Bild: “Samba Cabana“? Wenn man denkt, alle mögliche Wortspiele sind schon gemacht worden, macht uns uns Netto eine Überraschung. Supergeil! Ich meine, toll!

PICANHA VOM SCHWEIN?

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Ich komme aus dem Bundesland Rio Grande do Sul, im tiefen Süden, dessen Bürger (die sogenannte “Gaúchos” – nicht nur die Argentinier heißen so!) sehr gerne grillen. Ich bin vielleicht nicht der Durchschnittsgaúcho, weil ich keine große Erfahrung mit Fleisch habe. Aber so weit ich weiß ist Picanha ein Schwanzstück vom Rind, ähnlich wie Tafelspitz. Das heißt, das obige Bild ist schon zweimal falsch, in dem Picanha als ein Stück Schwein verkauft wird, und zwar vom Bauch(!). Als “Schiffchen”, was auch immer das heißt. Und was der Peperoni da zu suchen hat, weiß ich auch nicht.

Aber hey, so lange es schmeckt, gibt es kein Richtig und kein Falsch! So grillen die Gauchos, die Gauchos grillen so. So grillen die Deutschen, die Deutschen grillen ein bisschen anders.

SAMBA-WÜRSTCHEN

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“Brasilianisch Feurig” steht auf der Packung. Und natürlich durfte “Samba” auch nicht fehlen. Warum muss Brasilien immer mit Samba verbunden sein? Wir haben auch andere populäre Rhythmen wie Funk Carioca und Sertanejo! Spätestens jetzt musste man zumindest Sertanejo (eine Art Party-Countrymusik) kennen, nach dem Erfolg von “Ai Se Eu Te Pego” und Gusttavo Lima, Party-Lieder, die ganz OK sind, solange man den Text nicht versteht. Vielleicht haben wir ein Marketingproblem, wer weiß.

Tja, wir Menschen brauchen Stereotypen, um die Welt besser einordnen und verstehen zu können. Deutschland ist in dieser Hinsicht auf keinen Fall nicht allein, andersrum gibt es auch. Man braucht sich nur das Firmenlogo vom brasilianischen Unternehmen Fritz & Frida anzuschauen:

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Deutscher geht’s nicht!

0 Response

  1. Hat dies auf Diário de Tübingen rebloggt und kommentierte:

    Mais uma vez, um textinho meu para o blog neckarSTUDENT. Dessa vez, trata-se de uma pequena coletânea dos melhores (ou piores) produtos “brasileiros” desenvolvidos por ocasião da Copa do Mundo e encontrados nas prateleiras dos supermercados alemães. A tradução para português vem em breve!

  2. Pingback : Best of: produtos brasileiros | Diário de Tübingen

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