Home > Politik > Strandbar klagt gegen Stadt wegen Fußball

Strandbar klagt gegen Stadt wegen Fußball

Die Strandbar darf kein Fußball zeigen. Das war die Entscheidung der Stadtverwaltung, die hohe Wellen in Tübingen geschlagen hat. Die Betreiber wollten die Fußballspiele der deutschen Nationalmannschaft um 18 Uhr zeigen. Gegen diese Entscheidung haben die beiden Jungunternehmer nun Klage eingereicht, das veröffentlichte OB Boris Palmer heute auf seiner Facebook-Seite.

WM Schauen auf der Strandbar wird nicht mehr möglich sein. Foto: Strandbar

WM-Schauen auf der Strandbar wird vorerst nicht mehr möglich sein. Foto: Strandbar

“Junge Leute und Unternehmer haben bei mir großen Kredit. Aber jetzt vor Gericht gegen die eigenen Versprechen klagen, das ist nicht der Umgang, den ich als fair bezeichnen würde. Nein, das gefällt mir überhaupt nicht”, kommentierte Palmer.

Gegenüber neckarSTUDENT stellten sich die Betreiber der Aussage entgegen, dass sie ein Versprechen abgegeben hätten, keinen Fußball zu zeigen. Sie hätten das so nie behauptet. “Alles was wir versprochen haben, haben wir auch eingehalten”, sagt Stanislav Poliakof, Mit-Betreiber der Strandbar. Dabei sei von Fußball keine Rede gewesen. Es steht Aussage gegen Aussage und es bleibt unklar wer wem was versprochen hat.

Jetzt droht der Streit zu eskalieren. Bleiben beide Seiten bei ihrer Aussage, dann müsste das vor Gericht geklärt werden. Hier bleibt allerdings fraglich, wem eine solche Klage eigentlich hilft. Erfahrungsgemäß mahlen die Mühlen der Justiz langsam und die Strandbar hat sowiso nur wenige Monate geöffnet. Eine Entscheidnung wäre also wahrscheinlich erst nach der Schließung der Strandbar zu erwarten.

Weiterhin bleibt dieser Streit grundsätzlich höchst lächerlich. Das Public Viewing soll, so die Betreiber, auschließlich bei Spielen um 18 Uhr stattfinden und auch nur bei einem kleinen Kreis (max die erlaubten 200 Personen). So sei beim ersten Deutschlandspiel am 16.6. ein Stuhlkreis aus Liegestühlen um einen Bildschirm gebaut worden (siehe Bild). Es habe zu keiner Zeit die Gefahr eines wütenden Mobs gegeben. Man hätte einfach im Stuhl gelegen und sich an der Spielweise der Nationalmannschaft erfreut.

Auch die Begründung, dass es eine Veränderung für die Nachbarn geben würde, scheint weiterhin realitätsfremd. Die Spiele um 18 Uhr sind bereits um 20 Uhr wieder vorbei. Es bleibt den Gästen also weitere zwei Stunden bis zur Nachruhe und Ladenschluss der Strandbar. Eine Ruhestörung ist also nicht zu befürchten.

Das “Geschmäckle” von gestern bleibt. Wessen Investition muss die Stadt schützen? Warum kocht die Erlaubnis für einen Fernseher so weit hoch? Warum muss sich der OB einer Sprache bedienen, die Fußballfans allgemein zu Sachbeschädigern und Radalierern macht, wenn in der Location bereits am 16.6. der Beweis erbracht wurde, dass es nicht so ist? Und warum behaupten die Strandbarbetreiber ein Versprechen nicht gegeben zu haben, dass der OB als Tatsache hinstellt?

You may also like
Palmer-Plan: Mühlstraße soll ab Mai in beide Richtungen für PKW geschlossen werden
Neue Wohnungen am Güterbahnhof: „Tübingen wird nicht billiger, die Auswahl aber größer!“
“Wir dürfen keine Angst haben” – Schweigeminute im Gemeinderat zu den Anschlägen in Paris
TOS distanziert sich offiziell von Klagedrohung

Leave a Reply