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Stadt verbietet Fußballschauen auf der Strandbar. Auch um 18 Uhr.

Man könnte meinen es sei eine Selbstverständlichkeit. Während der WM wird Fußball geschaut. Nahezu alle Bars und Gaststätten bieten während der WM ein sogenanntes Public Viewing Angebot. Das ist, gerade bei Spielen der deutschen Mannschaft, auch wirtschaftlich vorteilhaft, denn die meisten wollen Jogis Elf spielen sehen.

WM Schauen auf der Strandbar wird nicht mehr möglich sein. Foto: Strandbar

WM-Schauen auf der Strandbar wird nicht mehr möglich sein. Foto: Strandbar

Nahezu die einzige Location in Tübingen, die das nicht darf, ist die neue Strandbar auf dem Neckarparkhaus. Diese hat nun explizit von der Stadt das Zeigen von Fußballspielen verboten bekommen. Ein herber Rückschlag, denn die Strandbar darf nur wenige Monate offen haben, ein Großteil der Zeit davon ist WM. Wenn keine Spiele gezeigt werden, dann kommen auch weniger Leute. Für die beiden Studenten, die die Bar betreiben wird es nun noch schwerer die Kosten für dieses Projekt wieder reinzubekommen.

Die ganze Vergabepraxis bei der Strandbar ist eigentlich schon skandalös. So wurde scheinbar willkürlich das Ende der Bewirtung auf 22 Uhr festgelegt, wenn das LTT mit seinem Theaterstück “Der Sturm” im vergangenen Jahr noch bis 23 Uhr spielen durfte.

OB Boris Palmer meinte in einer E-Mail an die Betreiber zwar, dass er ihr Anliegen verstehe, es aber aus folgenden Gründen verbieten müsse:

1. Vertrauensschutz. Wir haben gegenüber den Anwohnern kommunziert, dass genau das nicht eintreten wird und nach 22h immer Ruhe ist.
2. Investitionssicherheit. Die anderen Anbieter von Public Viewings müssten eine teilweise Entwertung ihrer Vorinvestitionen hinnehmen. Das ist nicht begründbar.
3. Sicherheit. Die ruhige Atmosphäre der Strandbar macht die Veranstaltung auf dem Dach sicher. Erfahrungsgemäß sind Fussballfans nur schwer kontrollierbar. Das Risiko von Unfällen wäre zu groß.

Der einzige einigermaßen verständliche Grund scheint der Erste zu sein. Man hat es den Anwohnern versprochen und die müssen sich auf Aussagen der Stadt verlassen können. Doch es gibt auch Spiele um 18 Uhr. Die sind schon lange wieder vorbei, wenn die Strandbar schließen muss.

Der Hauptgrund ist wohl der nächste Punkt und das ist eigentlich ein Skandal: Es ist nicht Aufgabe der Stadtverwaltung in den Markt, auch nicht unter Gaststätten, einzugreifen. Wer eine WM-Arena oder ein anderes Public Viewing betreibt hat zwar Investitionen getätigt, aber diese sind auch sein eigenes Risiko. Dazu ist man Unternehmer. Man hat das Risiko und man kann gleichzeitig auch den ganzen Gewinn einfahren. Es stellt sich die Frage: Wen schützt die Stadtverwaltung? Warum greift die Politik so direkt in die Belange der Wirtschaft ein? Wer Konkurrenz nicht verträgt, hat ein wackeliges Geschäftsmodell, außer man hat Freunde bei der Stadt.

Auch der dritte Punkt ist schwer verständlich. Es würden ja weiterhin keine Massen an Menschen auf dem Dach sein. Die Auflage von 200 Personen bleibt unberührt. Wie in einer normalen Bar mit Fernseher würden die Gäste jetzt auch nebenbei Fußball schauen können. Dass die alleinige Existenz einer Fußballübertragung aus friedlichen Menschen einen wütenden Mob macht, ist eine fadenscheinige Ausrede.

Die Betreiber versuchen jetzt mit einer Online Petition die Stadt noch umzustimmen.

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0 Response

  1. woolfolk

    Betreibt die Stadt nicht zufällig auch den WM-Park am Anlagensee und sieht somit vll. ihre eigene Investition gefährdet? 😉

    1. Thorsten

      Der WM Park wird doch nicht von der Stadt betrieben!!! Auch nicht zufällig…..
      Erst so einen Mist schreiben und dann noch naiv einen Smiley dahintersetzen…. !

    1. Boris Palmer

      Lasst doch mal diese blöden neid-Debatten und Verschwörungstheorien. Warum soll eine Stadt mit 270 Mio. Einnahmen sich wegen 10.000 Euro gebühren bestechen lassen ? Ich unterstütze das Public Viewing aus dem gleichen Grund wie die Strandbar: weil ich finde, dass das zu Tübingen passt und viele Leute es wollen. Was wäre denn los, wenn der wm park nicht stattfinden könnte ?

    2. Tanja

      Ich versuche gerade, mich zu informieren. Der verlinkte Artikel sagt doch gar nicht das aus, weswegen er verlinkt ist. “…da sich der WM-Park nicht rechnet…” steht da überhaupt nicht drin.
      Das ist unseriös.

  2. Jan

    Neutrale Berichterstattung ist das nicht. Offen tendenziös. Sehr schade.
    Ist der Autor zufällig mit den Strandbar-Betreibern befreundet?

  3. Anna

    Oh, gut zu wissen, daß es bei Euch KEIN sog. “Public Viewing” (also eine Leichenaufbahrung im Englischen) gibt.
    Dann lohnt es sich wirklich, zu kommen!

  4. Armin

    Doch es ist die Aufgabe der Stadtverwaltung das lokale Gewerbe zu schützen. Deshalb ist es ganz klar, das bei der Vergabe eines Events vorab darauf geachtet wird an wie viele Anbieter eine Genehmigung vergeben wird.
    Ist es etwa auch ein Skandal, dass nur eine bestimmte Anzahl an Taxi-Lizenzen vergeben wird???

    Wenn man eine Strandbar während der WM eröffnet, ist es grob fahrlässig, wenn man nicht vorab abklärt ob eine Fußballübertragung möglich ist. Einfach mal loszulegen und dann hinterher auf die Stadt zu schimpfen ist einfach nur Amateurhaft.

    1. Strandbar Tübingen

      @Armin
      Seit wann muss ich mit der Stadt abklären ob ich auf meinem TV-Gerät um 18 Uhr ein Fussball-Spiel zeigen darf oder nicht???

      1. Anna

        Weil das in dem Vertrag steht, den Ihr unterschrieben habt.
        Man sollte halt auch durchlesen, was man unterschreibt — oder ist sowas bei den heutigen Studierenden (und das sind ja angeblich die Betreiber der Strandbar) schon nicht mehr “in”?

      2. tobi

        Weil es mit der Gaststättenrechtlichen-Genehmigung zu tun hat und nicht bei Dir Zuhause auf dem Sofa stattfindet………………Ihr studiert doch Jura……oder?
        Willkommen in der Gastronomie!

  5. Thorsten

    Was hat das mit dem Public Viewing am Anlagensee zu tun? Gar nichts…
    Wenns Wetter gut ist, ist da so oder so immer voll…

    Wenn die Strandbar keine 18 Uhr Spiele zeigen darf, stimmt da was nicht… dass grenzt ja schon an Willkür oder gar an Diktatur! Was die Stadt sich da erlaubt ist bestimmt auch nicht gesetzlich vertretbar, eben weils sehr nach Willkür aussieht! Das hat aber aufjedenfall nichts mit dem WM Park zu tun….

    Warum haben die beiden Neu-Gastronomen sich dann erst auf so einen bescheuerten Deal mit der Stadt eingelassen? In Tübingen kann man bei sowas nur verlieren…

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