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4500 Menschen demonstrieren für bessere Uni-Finanzen

Die Universitäten bluten aus. Das war der Slogan der Demonstration für bessere Finanzierung der Hochschulen am Mittwochnachmittag in Tübingen. Zwischen 4000 (Polizei) und 4500 (FSVV) Studierende und Mitarbeiter der Universität Tübingen beteiligten sich an einem Protestzug durch die Tübinger Innenstadt. Rektor Bernd Engler mahnte Konsequenzen zu den hohen Studierendenzahlen im Land an:

“Vor Jahren gingen wir noch davon aus, dass wir 40.000 oder 50.000 Studierende mehr an den Baden-Württembergischen Universitäten haben. Als Ersteinschreiber, als Erstsemester. Mittlerweile ist die Zahl erhöht worden auf 70.000. Das bedeutet eine dramatische Überlast. Die meisten Fächer fahren Überlast von 140, 150 Prozent. Und das kann so nicht weitergehen.”

Ins gleiche Horn blasen auch die Vertreter der Studierenden. Zehn Prozent weniger Geld durch den Solidarpakt III sei nicht hinzunehmen. Pia Kramer von der Fachschaft WiWi:

“Auch wenn Stuttgart weit weg ist, so betreffen die Kürzungen doch alle hier. Seien es die Naturwissenschaftler, die in überfüllten Praktika hocken oder die Sprachwissenschaftler, bei denen das Los entscheidet ob man in sein Seminar kommt. Wir freuen uns sehr, dass im Widerstand gegen diese Kürzung Studierend, Lehrende, der nicht-wissenschaftliche Dienst und sogar das Rektorat Seite an Seite stehen.”

Nach der Auftaktkundgebung zog der Tross in die Altstadt auf den Marktplatz. Die Veranstaltung war gemeinsam von den Studierendenvertretern, den Mitarbeitern und dem Rektorat der Universität organisiert worden. Sollte es nicht mehr Geld geben müsste vor allem an beweglichen Stellen gestrichen werden. Jochim Ostwald, Vertreter des Mittelbaus im Senat:

“Die Stellen die beweglich sind, die sind im Mittelbau. Hier haben wir etwa 80 Prozent der Stellen des Mittelbaus, die auf Zeit als befristete Verträge abgeschlossen sind. Es heißt hier tritt die große Fluktuationsmöglichkeit auf und das sind auch die Stellen, die man in den nächsten Jahren abgreifen kann. Mittelbau. Wer ist denn der Mittelbau? Die Studierenden unter Ihnen, die wissen das: Das sind die Leute mit denen Sie konkret Kontakt haben während ihres Studiums, viel viel mehr als mit den Professoren. Das sind Ihre direkten Ansprechpartner.”

Mit dieser Demonstration sollte gezeigt werden, dass sich die Studierenden in Tübingen für gute Bildung und eine bessere Finanzsituation der Hochschulen aussprechen.

Möglich waren die vielen Demonstranten aber auch durch die Teilnahme der Dozenten und Unileitung am Streik. In der gesamten Universität vielen Kurse aus, die Universitätsbibiliothek war für drei Stunden geschlossen. Diese Eintracht zwischen den Studierenden und dem Rektorat ist allerdings eine seltene Begebenheit. Noch 2009 wurden ähnliche Veranstaltungen von der Universitätsleitung abgelehnt. Pia Kramer sagte deshalb:

“Gerade als Studierendenvertretung freut es uns ungemein einmal mit dem Rektorat zusammenarbeiten zu dürfen. Denn leider ist das nicht so oft der Fall. Wir Studierenden werden nur dann gehört, wenn wir genehm sind. Sonst wir unsere Meinung als unwichtig abgetan.”

Neben der Demonstration fand noch eine 24-Stunden Vorlesung und eine Party im Kupferbau statt.

Update: Interessante Informationspolitik der Polizei: Der GEA und SWR berichten von 2000 Teilnehmern. Mir sagte der Einsatzleiter der Polizei erst auch 2000 und korregierte sich später auf “viel mehr, eher 4000”. Das Tagblatt hielt sich bedeckt und schriebt “Tausende”. Kupferblau schreibt ebenfalls 4500, die Zahl der FSVV.

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