Home > Studierendenrat > Auslandssemester vieler Studenten in Gefahr: Universität stoppt Beurlaubung

Auslandssemester vieler Studenten in Gefahr: Universität stoppt Beurlaubung

Du bekommst BaföG? Du musst in der Regelsutudienzeit bleiben? Dann könnte deine Zeit im Ausland in Gefahr sein. Der Senat der Universität Tübingen hat nämlich am 10. April mit großer Mehrheit, aber ohne die Stimmen der studentischen Vertreter beschlossen, dass eine Zeit im Ausland kein “wichtiger Grund” mehr ist um sich an der Universität beurlauben zu lassen. Ab jetzt muss man also im Auslandssemester anrechenbare Scheine im Wert von 30 ECTS Punkten machen, um nicht hinter seine Komilitonen zurückzufallen.

Von Constantin Pläcking

Als Grund nennt die Universitätsleitung, dass die aktuell genehmigten Beulaubungen “dem europäischen Gedanken eines gemeinsamen Bildungsraumes widersprechen, der die umfangreiche Anerkennung von im Ausland erbrachten Studien- und Prüfungsleistungen vorsieht. Wirksam wird diese Änderung mit der Rückmeldung zum Wintersemester 2014/15.” Mit diesem Schritt möchte man die Institute dazu bringen, mehr Kurse von Partneruniversitäten anzuerkennen.

“Ein Austausch ist kein Jahr in deinem Leben, es ist ein Leben in einem Jahr.”

“Wir gehen zudem davon aus, dass sich diese Entscheidung auch auf eine Verkürzung der Studiendauer auswirken wird; die Regelstudienzeit verlängert sich durch diese Entscheidung jedenfalls nicht. Das Auslandssemester ist damit also nicht nur möglich, sondern wird sogar gewünscht und unterstützt, da die dort erworbenen Leistungen umfänglich anerkannt werden sollen”, sagt die Universitätsleitung.

Studierendenrat fordert sofortige Kehrtwende

Wichtig ist hierbei das letzte Wort. “Sollen.” Das bedeutet, die Universitätsleitung wünscht sich zwar eine Verbesserung und versucht diese auch voranzutreiben, doch ist sie gegenüber den eigenen Instituten ein zahnloser Tiger.  Die Realität sieht da anders aus, denn die Mühlen der Universität mahlen langsam. Das dies zu einem Problem werden könnte, sieht auch der Studierendenrat. Aus der Sicht der Studentischen Vertreter entspricht die Annahme der Universitätsleitung bezüglich der Anrechnung von Studienleistungen nicht der Realität. In einer gemeinsamen Erklärung aller Fraktionen heißt es: „Die Anrechnung von im Ausland absolvierten Kursen ist für die meisten Studierenden nach wie vor hoch problematisch. Die Erfahrung zeigt, dass im Regelfall nur ein Bruchteil der im Ausland erzielten Punkte in Tübingen anerkannt werden – zudem gibt es hier erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Fachbereichen.“ Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass durch die Änderung die Universität bis zu 1,2 Millionen Euro mehr vom Staat bekommen würde. Dies sei ein weitaus größerer Anreiz gewesen.

Zwar begrüßt der Studierendenrat den Vorstoß, mehr Anrechenbarkeit zu fordern. Allerdings hält man ihn auch für nicht durchdacht und überstürzt:

“Das Problem der schlechten Anre­chenbarkeit von extern erbrachten Studienleistungen [darf] nicht auf dem Rücken der Studierenden ausge­tragen werden. Auch wird außer Acht gelassen, dass ein wesentlicher Teil der Auslandsaufenthalte außerhalb des Bolognaraums absolviert wird; die betroffenen Studierenden haben erfahrungsgemäß noch größere Probleme bei der Anrechnung ihrer im Ausland erbrachten Leistungen. Die Universität Tübingen legt in ihren offiziellen Stellungnahmen oft einen Schwerpunkt auf Inter­nationalisierung und Mobilität ihrer Studierenden. Die jetzt eingeführte Regelung steht diesen Zie­len im Wege und stellt einen Rückschritt dar.”

Der Studierendenrat fordert deswegen die Entscheidung zurück zu nehmen. Die Juristen haben bereits eine Sonderregelung für sich durchgesetzt. Nach Informationen des Tagblatts hatte eine Studentin mit Klage gedroht. Auch ihre Professoren hatten sich gegen die Regelung eingesetzt. Juristen können grundsätzlich keine Scheine anrechenen lassen und dürfen sich auch weiterhin beurlauben lassen. Die Regelung gilt allerdings nicht für andere Fachrichtungen.

You may also like
Tübinger Studenten gewinnen Debattier-Meisterschaft
Offener Brief: “Politisches Mandat darf nicht Verhandlungsmasse werden”
Nach der Wahl bleibt alles beim Alten – oder?
UN-Hochschulgruppe: Arbeit mit dem StuRa “wahnsinnig frustrierend”

Leave a Reply