Home > Medien > „Ich bin eine Tussi“ – Kabel1-Chefin Katja Hofem bei Querfeldein

„Ich bin eine Tussi“ – Kabel1-Chefin Katja Hofem bei Querfeldein

Mit Wetten, dass…? fing alles an, nun ist sie die Chefin von Kabel 1. Katja Hofem hat steil Karriere gemacht und dabei viel gewagt. Am Donnerstag war sie in Tübingen beim Verein Querfeldein und hat erzählt, wie sie zu dem geworden ist, was sie ist.

Von Constantin Pläcking

Wenn man an Jobs im Fernsehen denkt, dann würde man meistens auf die Seite des Inhalts schauen und weniger auf die Seite der Organisation, des Managements. Das erzählt Katja Hofem am Donnerstag im Ribingurūmu. Geladen hatte der Verein Querfeldein, der sich zum Ziel gesetzt hat interessante Menschen die „was mit Medien machen“ nach Tübingen zu holen. Katja Hofem ist auf der Seite des Managements gelandet, obwohl sie erst Redakteurin werden wollte. „Mein großes Vorbild war Antonia Rados“, sagt Hofem. Rados ist Chefkorrespondentin für RTL. Doch die ersten Gehversuche machte Hofem beim ZDF. Zusammen mit Freunden zwängte sie sich bei Wetten, dass…? in eine Telefonzelle und wurde Wettkönig. Währenddessen schreib sie bereits als freie Mitarbeiterin bei der Aalener Volkszeitung. Über Wetten, dass…? Backstage war ihr erster Aufmacher.

SONY DSC

Katja Hofem am Donnerstag im Ribingurūmu. Foto: Pläcking

Für die Eltern war es dann ein großer Schock, als sie ihr Volontariat bei RTL II machte, anstatt bei angeblich seriösen Medien. Das Privatfernsehen scheint aber für sie die richtige Entscheidung gewesen zu sein, denn sie machte schnell Karriere. Bereits mit 28 Jahren war sie Programmchefin von RTL II. Sie hatte die Aufgabe bekommen eine Unterhaltungsabteilung bei dem Sender aufzubauen. „Ich habe The Dome nach Deutschland geholt“, sagt Hofem. Dort musste sie auch Dinge wagen. Das holländischen Format „Big Brother“, das sie zu RTL II geholt hatte, war ein Wagnis und ein Tabubruch zu gleich. „Wir standen kurz vor dem Lizenzentzug“, sagt Hofem. Die Medien sahen darin „den Untergang des Abendlandes.“ Auch die werbetreibende Industrie wäre erst dann nicht mehr zurückhaltend gewesen, als man mit dem Format 20 Prozent Marktanteil geholt habe. Dann waren die Ethik-Kommissionen in den Firmen schnell verschwunden. „Die Sendung hat zum ersten Mal den echten Menschen gezeigt“, sagt die jetzige Kabel 1-Chefin. „Deswegen war sie auch so erfolgreich.“ Und am Ende ist „die Rendite am wichtigsten“. Würde ein Spektakel wie die Spiele aus „Tribute von Panem“ funktionieren? „Das wäre nicht erlaubt. Könnte man es aber machen, dann würde es auch jemand senden. Und es würden Menschen dabei zuschauen.“

„Dann bin ich eben eine Tussi“

Nach RTL II ging Hofem dann zu Discovery Networks und baute dort den Sender DMAX auf, ein Programm „für die besten Menschen der Welt: Männer.“ Den Spruch habe sie sich ausgedacht und er habe wunderbar funktioniert. „Männer sind zufrieden wenn Reifen qualmen und etwas explodiert“, sagt Hofem. Ein Frauensender sei da schwieriger. Aber auch diese Aufgabe hat sie gemeistert. Von DMAX wechselte sie zu ProSiebenSat1 und baute dort den Sender SIXX auf. Dieser sollte zuvor allerdings „FemTV“ heißen, doch es war eine Bedingung von ihr, dass der Sender nicht „wie ein Hygieneartikel heißt“. Auf Klischees wie Pink als Farbe und der gehobe Zeigefiner á la Alice Schwarzer wollte sie absichtlich verzichten. Es ging viel mehr um „laid back television“. Deshalb spürte SIXX gleich von Anfang an Gegenwind. Von FrauTV (WDR) wurde SIXX als Tussi-TV bezeichnet. „Dann bin ich eben eine Tussi“, war Hofems damalige Antwort und hat das Huhn zum Symbol des Senders gemacht.

Dabei setzt sich Hofem durchaus für die Belange von Frauen ein. „Die Frauenquote für Führungspositionen muss kommen“, sagt die erfolgreiche Managerin. Als Frau in eine solche Position zu kommen sei schwierig. Man muss sich in einer Männderdomäne beweisen. Oft Fragen sich die Leute: „Wie ist die denn an ihren Job gekommen?“

Nach SIXX ging sie zu Kabel 1. Hier beförderte sie einen Sender, der auf dem absteigenend Ast war zurück auf die Erfolgsspur. „Ich bin stolz, dass wir bei Kabel 1 nichts gescriptetes mehr haben“, behauptet Hofem. Alles sei echt und mit „Mein Lokal, dein Lokal“ sei auch eine echte Eigenproduktion mit dabei. Ganz besonders schlimm findet Hofem Sendungen wie „Schwer verliebt“ oder „Bauer sucht Frau“. Dort werden Menschen bloßgestellt, die keine Medienerfahrung haben und deswegen nicht überblicken können, was das für ihr Leben bedeutet.

SONY DSC

Katja Hofem mit Kevin Tiedgen von Querfeldein. Foto: Pläcking

„Probiert euch aus!“

Die häufigste Frage, die ihr von Studenten gestellt werde, drehe sich um Ratschläge, wie man im TV-Geschäft Fuß fassen könne: „Man muss sich ausprobieren und schon jetzt Engangement zeigen“, sagt Hofem. Außerdem sei fließend Englisch notwendig. Man habe so häufig mit Menschen aus anderen Ländern zu tun. Sie habe das zwar nicht gemacht, aber für ihren Job würde sie sich manchmal Kenntnisse in Jura und BWL wünschen.

Sie liebe ihren Job noch immer. Schon damals bei RTL II habe sie zwar unendlich viel arbeiten müssen, sie habe sogar im Sender geschlafen, doch es habe sich nie so angefühlt. „Bei The Dome haben mir die Backstreet Boys ein Ständchen zum Geburtstag gesungen“.

Als alte Wetten Dass…?- Veteranin beantwortet sie auch die Frage zum Ende der Show: „Ich glaube, die machen ein Jahr Pause, dann kommt Gottschalk zurück.“ Lanz sei einfach der falsche gewesen.

Nach dem Grimme Preis an Jan Böhmermann scheint Hofem auch nicht abgeneigt ihn zu Kabel 1 zu holen. „Er sollte sich zu anderen Sendern hingezogen fühlen“, sagt die Kabel 1 Chefin. Ob das ein Angebot sei: „Vielleicht“, sagt Hofem schmunzelnd.

You may also like
Kalauer über die ARD – Querfeldein mit Pierre M. Krause
Moderne Feministin oder frustrierte Männerhasserin? – Anne Wizorek bei Querfeldein
Pro-Contra Imperative Mandate – Contra: Die Räte handeln undemokratisch
Pro-Contra Imperative Mandate – Pro: Das Verhalten der Räte war nachvollziehbar

Leave a Reply