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Kommentar: Wo ist der StuRa im Fall Schwarzes Schaf gewesen?

Zwanzig Nachbarn gegen zwei Betreiber, so sah das Kräfteverhältnis aus beim Bürgerdialog zwischen den Anwohnern und Betreibern des Schwarzen Schafs. Ein paar Vertreter der Politik waren auch noch da und zwei Schüler aus dem Jugendgemeinderat, die sich in der Lage wiederfanden, alleine die Sicht der Besucher des Schwarzen Schafs zu vertreten. Die einzigen beiden Studenten, die anwesend waren, kamen von neckarSTUDENT und waren eigentlich nur gekommen um über diesen Abend zu berichten. Nico Reichenthaler und ich. Da ich recht nah am Schwarzen Schaf wohne konnte ich auch etwas dazu sagen, aber sind wir die Vertreter der Studierenden?

Sitzung des Studierendenrat. Foto: Constantin Pläcking

Sitzung des Studierendenrat. Foto: Constantin Pläcking

Ein Kommentar von Constantin Pläcking

Ich meine mich entfernt daran zu erinnern, dass die Vertretung der Studierenden erst kürzlich neu gewählt wurde und seit einiger Zeit regelmäßig im Studierendenrat zusammentritt. Hat dieses einzig representativ die Studierenden vertretende Gremium dann nicht die Aufgabe die Belange der Studierenden zu vertreten? Der Fall hier steht nämlich auch exemplarisch für ein größeres Problem in der Stadt: Jeder Club hat Probleme mit den Nachbarn.

Dass in einem solchen Fall die Sichtweise der Studierenden nicht vertreten ist, sehe ich als besonders bedauerlich an, denn es sendet zwei Botschaften:

1. Die Studierenden halten das Thema für nicht interessant genug, was den Nachbarn weiter Auftrieb gibt.
oder
2. Die Studierenden bekommen ihr Zeugs nicht auf die Reihe, was der Position ebenfalls nicht hilft.

Die Wahrheit ist anscheinend, dass man sich überhaupt nicht für zuständig hält. So sagt Agathe Mullot (GHG), aus der Mehrheitskoalition (Räte) aus FSVV, GHG und linke Liste:

Vor zwei Wochen wurde das Thema in der FSVV-Sitzung besprochen: Wir fühlen uns für kommerzielle Veranstaltungen zu denen auch Studenten gehen nicht zuständig. Vertreter des Schwarzen Schafes bzw. der/die
StudentIn, der/die einen Fachschaftler zu diesem Thema gefragt hat, sind willkommen selbst vorbeizukommen und uns die Problematik zu erklären.

Diese Antwort halte ich für bedauerlich, da sie vor allem eins ausdrückt: Passivität. Wir warten darauf, dass man auf uns zukommt und vor unserem hohen Haus spricht. Dabei war die Problematik ja noch nicht einmal unbekannt, was noch entschuldbar gewesen wäre. Sie wurde nur als unwichtig verworfen.

Aber die Fachschaften sind nicht alleine mit dieser Meinung. Nach meiner Anfrage gegenüber dem RCDS und seinen StuRa-Mitgliedern schreiben diese sie seien nicht zuständig. Stattdessen kommt eine Antwort von der Jungen Union (JU), die das Thema gerne im Wahlkampf nutzen würde und vertritt dabei genau die gleiche Position wie die Grüne Jugend. Auch hier versteht man nicht, dass man als JU natürlich nicht die Studierenden vertritt, sondern die Interessen einer Partei. Diese sind nicht die gewählten Vertreter der Studierenden.

Mir geht es darum, dass es für viele Studierende nicht so wichtig ist, ob man in der QSM-Kommission zurücktritt, sondern, dass sie Orte haben, wo sie abends feiern gehen können. Diese sind meistens privatrechtlich organisiert, erfüllen aber eine Aufgabe gerade für Studentinnen und Studenten. Ich finde, dass eine Vertretung der Studierenden die Aufgabe hat sich auch um solche Dinge zu kümmern. Sie hat die Aufgabe alle Dinge abzudecken die für Studierende relevant sind. Und die Problematik um das Schwarze Schaf ist es allemal. Das sieht auch Martin Brüssow, Vorsitzender der Liberalen Hochschulgruppe Tübingen (LHG) so:

Grundsätzlich haben wir als Vertreter der Studentenschaft selbstverständlich die Aufgabe uns bei Themen zu positionieren, die Studenten bewegen – auch deshalb haben wir als Liberale vor, das Thema “Clubsterben” auch über das Schwarze Schaaf hinaus aufzugreifen.

Allerdings war auch die LGH bis jetzt nicht aktiv beteiligt, verspricht aber es nachzuholen und bei weiteren Terminen dabei zu sein, sollten sie informiert werden. Meiner Meinung nach sollten solche Themen im StuRa besprochen werden und, so wie aus dem Jugendgemeinderat, auch Vertreter in Sitzungen wie am vergangenen Montag geschickt werden. Denn hier muss man die Belange der Studierenden vertreten. So etwas würde dem ohnehin schlechtem Ansehen (9,5 Prozent Wahlbeteiligung) unter den Studierenden sicher etwas Auftrieb bringen.

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0 Response

  1. blubb

    Der StuRa und die in ihm vertretenen Gruppen beschäftigen sich durchaus mit Feiermöglichkeiten für Studierende. Siehe z.B. Clubhausfeste. Die Erlöse dieser Feste kommen direkt der Arbeit der Fachschaften/Gruppen zugute. Das Clubhausfest steht ständig auf der Kippe wegen Auflagen der Uni/Stadt und FSVV-Aktive kümmern sich dann darum, dass Kompromisse gefunden werden, Genehmigungen erteilt werden, … Wären andere studentische Clubs betroffen (Wohnheimbars, Kuckuck) würde ich es auch als Aufgabe des StuRa sehen, tätig zu werden. Oder eben, wenn jemand auf den StuRa zugeht. Wobei ich gute Gründe sehe, die Rettung privatwirtschaftlicher Clubs nicht zum Anliegen eines Studierendenrats zu machen. Also, sich allgemein zur Lage des Tübinger Nachtlebens zu äußern wäre für mich okay, die Interessen der Schaf-Gänger_innen gegenüber dem Ordnungsamt vertreten nicht. Nicht wegen Antikapitalismus oder so, sondern weil die Aufgaben der Verfassten Studierendenschaft durch das Gesetz auf den Uni-Bereich begrenzt werden.

    Und zum Schwarzen Schaf selbst: Ehrlich gesagt verstehe ich nicht so ganz die Aufregung. Das Schwarze Schaf liegt in einem Wohngebiet. Dass dort nur Gaststätten betrieben werden dürfen und keine Clubs wird den Betreibern ja hoffentlich vorher klar gewesen sein. Jetzt bietet es sich natürlich an, mal kurz aufzuschreien, dass in Tübingen immer alle Clubs kaputt gemacht werden, es sind ja auch bald Wahlen, und da möchten alle Partei-Jugendorganisationen sich bestimmt überbieten bei Rettungsversuchen fürs Schaf. Die Anwohner_innen lassen sich leicht als Spießer darstellen, die immer allen Spaß kaputt machen und sich mal nicht so anstellen sollen…

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