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Schwarzes Schaf: Anwohner lehnen Kompromiss auf dem Silbertablett ab

Immer mehr hatte sich der Streit zwischen dem Schwarzen Schaf und Anwohnern in der Herrenberger Straße zugespitzt. Am Montagabend kam es nun zu einem Bürgerdialog mit den Betreibern der Bar, Anwohnern und Vertretern der Jugend. Geleitet wurde die Veranstaltung von Oberbürgermeister Boris Palmer, der brauchbare Vorschläge unterbreitete, die von den Nachbarn allerdings abgelehnt wurden.

Von Constantin Pläcking

Stimmige Atmosphäre.  Foto: Nico Reichenthaler

Live Musik soll es in Zukunft nicht mehr im Schwarzen Schaf geben. Foto: Nico Reichenthaler

Es sei eine Gratwanderung, die man als Oberbürgermeister in Situationen wie dieser gehen müsse, sagt Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen. Gemeint sind Probleme, die immer wieder in der Stadt auftauchen, wenn es um eine Bar geht bei der Anwohner in der Nähe wohnen. Und das sei in Tübingen bei fast jeder Bar der Fall. Studenten und Schüler hätten das Bedürfnis, gerade in einer so jungen Stadt wie Tübingen, Möglichkeiten zu finden, irgendwo abends ihre Freizeit zu verbringen. Am beliebtesten sind dabei Clubs mit Musik, die gerade am Freitag und Samstag eine große Anziehungskraft ausüben.

Auch das Schwarze Schaf hat dieses Bedürfnis erfüllt. Das sieht man am Zulauf, dass das, offiziell als Bar angemeldete, Etablisment im letzten halben Jahr bekommen hat. Da es naturgemäß bei solchen Einrichtungen zu einem Besucherstrom kommt und dieser auch Geräusche verursacht, fühlten sich die Nachbarn gestört. Auf der Versammlung am Montag zeigten sie deswegen auf, was sie um den Schlaf bringt und sprachen dabei Fälle von Vermüllung und Vandalismus, sowie Urinieren an. Das größte Problem sei allerdings die Ruhestörung. Menschen unterhalten sich und rufen Taxis, die mit laufendem Motor vor dem Schwarzen Schaf stünden und die Nachbarn aufwecken würden. Diese beschwerten sich bei der Stadtverwaltung und riefen den kommunalen Ordnungsdienst auf den Plan. Dieser machte für die Anwohnern aber zu wenig gegen diese Störungen, weshalb Anwohner jetzt gegen die Stadt klagen wollen, um die Schließung zu erzwingen. Dem sofortigen Ende erteilte Boris Palmer zum jetzigen Zeitpunkt eine klare Absage. “Ob ich den Stecker ziehe, liegt in meinem Ermessensspielraum” sagte Palmer. Und er möchte den beiden Betreibern eine zweite Chance einräumen.

Der Besitzer des Schwarzen Schafs. Foto: Nico Reichenthaler

Der Besitzer des Schwarzen Schafs an seiner Theke. Foto: Nico Reichenthaler

Palmer schlägt Win-Win Kompromiss vor

Ein vielversprechender Vorschlag kam recht am Anfang vom Oberbürgermeister. Um die Ruhestörungen unter der Woche zu vermeiden, sollte das Schwarze Schaf ausschließlich am Freitag und Samstag öffnen, dafür würden die Nachbarn es tolerieren, dass dort Tanzveranstaltungen mit DJs stattfinden. Er sehe das als die beste Lösung für beide Seiten, die auch die Betreiber akzeptieren könnten. Diesem Kompromiss erteilten die Nachbarn eine klare Absage. Viele von ihnen möchten überhaupt keine Bar mehr an dieser Stelle haben und versuchen alles um das Schwarze Schaf loszuwerden. Die Nachbarn schlugen stattdessen vor, dass die Bar in einen anderen Stadtteil umziehen solle, da sie sehr wohl verstehen, dass die Jugend einen Platz zum Weggehen bräuchte. Aber halt doch nicht direkt bei ihnen vor der Haustüre. Diesen Wunsch hegen allerdings alle Anwohner, die eine solche Kneipe in der nächsten Umgebung haben, weswegen es, so Palmer, keine Patentlösung dieser Art gebe. Er prüfe zwar ob die Stadt den Betreibern eine andere Location zur Verfügung stellen kann, das sei aber mit ähnlichen Problemen und wahrscheinlich hohen Investitionen verbunden. Zwei Gebäude kommen theoretisch in Frage. Der Gemeinderat werde in Kürze zu einer Begehung einladen, um zu klären, ob die Objekte bereitgestellt werden könnten. Viel Hoffnung hat Palmer für diese Lösung allerdings nicht.

Jetzt kommt die Lose-Lose Situation

Zu einem anderen Kompromiss kam es dann doch. Das Schwarze Schaf muss die städtische Verfügung sofort umsetzen. Hierbei müssen ab sofort auch Speisen abgeboten werden, die Tanzfläche mit Tischen und Stühlen belegt werden und Musik nur noch in Hintergundlautstärke gespielt werden. Nur an zwölf Tagen im Jahr darf können angemeldete Tanzveranstaltungen mit lauterer Musik durchgeführt werden. Die Öffnungszeiten bleiben allerdings davon unbetroffen. Am Wochenende darf weiterhin bis um fünf Uhr morgens offen sein. Bei dieser Lösung steht man, so Palmer, ganz auf den Buchstaben des Gesetzes. Auch die Anwohner hätten hierbei keine Handhabe mehr gegen das Schwarze Schaf, auch wenn die Lautstärke durch die Gäste so bleibt wie sie ist.

Schaf macht Blau? Boris Palmer mit den Betreibern der Bar. Quelle: Boris Palmer auf Facebook

Ob es sich hierbei um die bessere Lösung für beide Seiten handelt ist fraglich. Denn jetzt hätte das Schwarze Schaf das Recht jeden Tag offen zu haben, was bedeutet, dass es auch immer das Potential für nächtliche Ruhestörungen gibt. Unter der Woche bis drei Uhr, am Wochenende bis fünf Uhr. Wahrscheinlich wollen die Nachbarn mit diesem Verhalten allerdings etwas Anderes erreichen. Durch das Konzept wird es für die Betreiber schwerer werden, Geld zu verdienen, da es für Jugendliche unattraktiver werden könnte. Es ist also die klassische Aushungerstrategie. Dass es bis dahin aber noch sehr weit sein könnte, vergessen die Anwohner in ihrer Wut auf die Ruhestörungen. Es wird in den nächsten Monaten wohl in ähnlicher Lautstärke weitergehen, ohne dass viel dagegen gemacht werden kann, denn die Ruhestörungen vor der Tür können den Betreibern rechtlich nicht angelastet werden.

Trotzdem wollen natürlich weiterhin viele Studenten, dass das Schwarze Schaf unverändert offen bleibt. “Aufgrund der Lage im allgemeinen Wohngebiet ist dieser Wunsch rechtlich schlicht unerfüllbar”, sagt Boris Palmer. Es ginge nur in der eingeschränkten Form. Aber natürlich sei er mit großen Bemühungen dabei besser geeignete Orte für das Tübinger Nachtleben zu finden.

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  1. Pingback : Kommentar: Immer noch sechs Mal pro Semester Party | neckarSTUDENT

  2. Ich hab die Diskussion schon eine Weile verfolgt. Was man gerne übersieht: Das Schwarze Schaf hat so eingeschlagen, weil Tübingen ein Defizit hat. Man könnte auch – für unseren politischen Wind im Städtle eher ungewöhnlich – einfach sagen: Der Markt hat es geregelt. Und nun gefällt es den Anwohnern nicht, wie der Markt das geregelt hat. Doch was sind denn die Clubs, die am studentischen nah Publikum dran sind? Die Einheitsdisse Top10? Das 27? Jägermeister und Wodka Bull als Alleinstellungsmerkmal? Vielleicht jetzt wieder das Schlachthaus, die Mancuso-Truppe hat uns in dieser Stadt lange genug gefehlt. Und so sollen diese Clubs sein, wenn eine Industriebrache nach der anderen in Wohngebiete verwandelt wird, wenn nicht mitten in Wohngebieten? (Und gleichzeitig brauchen genau die partyphilen Studenten, die ein Viertel der Bevölkerung ausmachen, mehr Wohnraum. Schwierig!)

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