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Muss das Schwarze Schaf sterben?

Es ist ein Dauerthema in Tübingen: Anwohner gegen Party machende Studenten. Das beste Beispiel aus der Vergangenheit war dabei das Sudhaus, bei dem sich Anwohner beschweren, die fast 500 Meter entfernt wohnen und eine laute Bundesstraße neben sich haben. Oder man denke an den Sommer und den Holzmarkt, bei dem ein Alkoholverbot immer noch nicht aus dem Raum ist. Jetzt wurde ein weiteres Kapitel in diesem ewigen Buch aufgeschlagen: Diesmal geht es um das Schwarze Schaf in der Herrenberger Straße. Seit vier Monaten hat es geöffnet und inzwischen hat sich ein handfester Streit entwickelt bei dem es nicht nur um nächtliche Ruhestörung geht.

von Nico Reichenthaler und Constantin Pläcking

Natürlich kann man verstehen, dass man als Anwohner nicht sehr erfreut ist, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft ein so beliebter Treffpunkt für Studenten mehrmals in der Woche seine Pforten öffnet, doch Heerscharen an Studenten, die herbei strömten, lassen sich auch an einem normalen Freitag im Semester nicht feststellen. Ein paar Geräusche sind nicht immer zu vermeiden, den ein oder anderen Ton wird man hören können wenn Besucher kommen oder gehen. Anscheinend ist das für ältere Anwohner bereits störend. Dabei wird hier besonders viel für die Ruhe getan. Wer das Schwarze Schaf schon besucht hat, weiß, dass die Verantwortlichen alles dafür tun, um den Geräuschpegel vor der Bar und auch im Innenbereich so gering wie möglich zu halten. Jeder Besucher, der auch nur kurz vor dem Eingang stehen bleibt, wird von den Türstehern sofort gebeten entweder nach Hause zu gehen oder wieder hinein zu kommen. Das alles im Flüsterton. Eigentlich könnte man die Türsteher auch “Beauftragte für Geräuschvermeidung” nennen. Selbst der Gang zum 20 Meter entfernten Bankautomaten wird nicht gerne gesehen, da auch hier Nachbarn gestört werden könnten.

Dennoch gab es immer wieder Beschwerden von den Nachbarn. Das kann Herr Dimitris Katsaras, Eigentümer des Schwarzen Schafs, nicht verstehen:

“Das Ordnungsamt besucht uns regelmäßig, und bisher gab es nie Probleme wegen der Lautstärke, es war immer positiv für uns. Außer einmal, wegen einer Schlägerei, musste ein Krankenwagen kommen. Dass es dann nicht mehr leise sein kann, ist klar!”

Deswegen können viele Besucher auf Facebook auch nicht verstehen, warum der Oberbürgermeister Boris Palmer dort “Schwarzes Schaf sieht nicht gut aus. Leider” oder “Und machen kann ich nichts. Gesetz ist Gesetz” sagt.

“Wir sind sehr kompromissbereit und sind auch schon einige Kompromisse eingegangen”, sagt Dimitris Katsaras.

Boris Palmer spricht auch von der Konzession des schwarzen Schafs, die für eine Bar ausgestellt ist. Anscheinend wurde auch gegen diese von der Nachbarschaft und dem Ordnungsamt vorgegangen, denn in der Bar legten an bestimmten Tagen auch DJs auf. Dies wurde allerdings, so die Betreiber, bereits nach der ersten Intervention eingestellt. Allerdings ist es immer ein Thema wenn man eine solche Location in direkter Umgebung von Wohnhäusern hat.

“[…]Es geht um Konflikte mit der Nachbarschaft und die Genehmigung. Wir versuchen da immer zu moderieren, aber wenn das nicht gelingt, gilt das Gesetz”, so Palmer, […], die bedeutendste Thematik ist die, ob ein Club im Wohngebiet bestehen darf oder nicht. Das mag für manche Partygänger anders aussehen. Aber sollte ein OB wirklich diese Prioritätensetzung übernehmen oder jeder Interessengruppe suggerieren, sie sei die einzig wichtige?”

Hier hat Herr Palmer natürlich völlig recht. Man sollte niemand benachteiligen. Die Aufgabe eines Oberbürgermeisters ist es, beide Seiten anzuhören und zu versuchen eine gemeinsame Lösung für zu erarbeiten. Befindet sich das Schwarze Schaf aber mitten in einem Wohngebiet? In unmittelbarer Nähe befindet sich ein großer Edeka. Drei große Studentenwohnheime befinden sich ums Eck, außerdem drei Restaurants, eine Fahrschule, ein Bioladen und eine Apotheke. Nicht zu vergessen die zahlreichen Studenten WGs, die sich nicht immer nur zum schwarzen Schaf aufmachen, sondern auch in die Altstadt pilgern.

Wir wollten von den Betreibern wissen, ob es schon einmal ein Gespräch zwischen beiden Parteien gab, ob man aufeinander zugegangen ist. Dimitris Katsaras meint auch:

“Zunächst haben wir uns vor der Eröffnung den Nachbarn von Gegenüber vorgestellt, da wir wussten, dass es zwischen unseren Vorbesitzern und diesem Anwohner zu Problemen in der Vergangenheit kam. Es war eigentlich sehr positiv. Wir haben unsere Maßnahmen vorgestellt, mit denen wir die Lautstärke versuchen gering zu halten. Dann kam es dennoch aufgrund von Beschwerden zu einem Anwohnergespräch mit der Stadt und dem Ordnungsamt, welches leider sehr negativ für uns verlief. […] Wie schon gesagt, wir haben Maßnahmen vorgestellt, Feedbacks geholt, haben den Nachbarn klar gemacht, dass wir alles was in unserer Macht steht tun um den Lärm so gering wie möglich zu halten. Wir wollen zusammen, gemeinsam eine Lösung finden.”

Es scheint als ob Boris Palmer tatsächlich moderieren will, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Besucht hat er das schwarze Schaf schon, um sich selbst ein Bild zu machen. Es wird ein erneutes Gespräch zwischen beiden Parteien mit Anwesenheit des Oberbürgermeisters geben. Man kann nur beiden Seiten wünschen, dass beide Interessen auch von der Stadt gestärkt werden. Ein erneuter Niedergang des Tübinger Nachtlebens, wäre wohl ein Rückschlag für die meisten Studenten.

Wir haben zur Anschaulichkeit ein Video gemacht. Es wurde zur Hauptzeit um 1 Uhr am Freitag den 7.2.14 vor dem Schwarzen Schaf aufgezeichnet. Man hört keinen Beat, kein Gerede nur das Motorengeräusch des Taxis:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=fC8dFsR5Euo&feature=youtu.be]

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