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Ist Facebook jetzt Beerbook?

“So, jetzt hat’s mich jetzt auch mal erwischt. Vielen Dank an XY für deine Nominierung. Hat mich gefreut! Das Bier geht auf dich!” Nach erfolgreichem Exen einer Halben heißt es dann weiter: “Meine drei Nominierten sind A, B und C. Ihr habt 24 Stunden Zeit. In diesem Sinne, sauft’s nei!”

Ein Kommentar von Laurin Ivetić

Facebook wird zum Beerbook

Facebook wird zum Beerbook. Foto: Constantin Pläcking

Ähnlich wird es wohl auf so ziemlich jeder Facebook-Pinnwand aussehen, denn Facebook wird pünktlich zum zehnten Geburtstag zum Beerbook. Wie der Vater eines Nominierten das Video mit “Sohnemann, ich verstehe den Sinn davon nicht ganz. Aber Prost!” kommentierte, suchen neben mir hoffentlich sehr viele den Sinn hinter dieser Online-Epidemie. Neknominate heißt der vermeintliche Spaß. Gestartet haben diesen Trend die Australier, und wurde jetzt von der deutschen Jugend aufgeschnappt. Das virale Spiel ist simpel: Es wird ein Video auf Facebook hochgeladen, auf dem man jemandem zuschauen kann, wie ein halber Liter Bier auf Ex getrunken wird. Dann werden die nächsten drei Trinker nominiert, die es innerhalb von 24 Stunden nachmachen sollen. Doch es scheint so, als ob die deutsche Jugend wohl noch nie etwas von Merkmalen digitaler Öffentlichkeiten gehört hat. Nein? Das wäre das Quartett bestehend aus Persistenz, Duplizierbarkeit, Skalierbarkeit und Durchsuchbarkeit.

Persistenz heißt, dass die tollen Trink-Videos nun auf ewig erhalten bleiben. Auch wenn man sie löscht, sie sind irgendwo da draußen und werden nicht vergessen werden. Duplizierbarkeit ist in dem Fall eher die einfache Verbreitung über den “Share-Button” mit dem eure Videos geteilt werden. Skalierbarkeit bezeichnet die rasche Größenveränderung des Publikums – ihr könnt also nicht mehr steuern, wieviele euch letztendlich beim Trinken zuschauen. Und zu guter letzt die Durchsuchbarkeit: Alles was digital verfügbar ist, ist theoretisch jedem zugänglich. Und damit auch zukünftigen Arbeitgebern, wie es immer so schön heißt. Durch den Domino-Effekt der Ausbreitung wird der Trend auch ein wenig verharmlost á la “So viele haben es schon gemacht, dann kann ich es ja auch machen.” Wenn man nicht mitmacht, so lauten die Regeln, muss man dem Vorgänger, der einen nominiert hat, einen Kasten Bier zahlen. So bekommen die Bierkartelle dann auch noch etwas ab – wunderbar oder nicht?

Nicht wirklich: Der britische “Mirror” berichtete vergangenen Sonntag von zwei Jugendlichen, die wohl infolge des “Social-Beer-Games” in Irland verstarben.  Deshalb sollte man diesem sinnlosen viralen Trend doch eher kritisch gegenüberstehen und es lieber denen gleich tun, die eine Halbe Wasser trinken und das Kasten-Geld spenden. Das ist eher sozial und ihr trinkt schon mal kein Bier mit fadem Beigeschmack und unvorhersehbaren Nebenwirkungen. Oder ihr macht einfach gar nicht mit, weil ich mich über den Facebook-Alltag von vor zwei Wochen wirklich wieder freuen würde. Denn da gab es noch keine rülpsende Gestalten – Mädchen mit eingeschlossen – auf der Pinnwand. Das will nämlich niemand sehen. In diesem Sinne, spendet’s nei oder lasset’s!

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3 Responses

  1. Gesichtsmann

    Ihr habt da aber was vergessen! Die zwei Jugendlichen aus Irland sind nicht allein wegen dem Bier gestorben. Ach ja?, wusstet ihr nicht?.. Der eine hat das Spiel mit Schnaps gespielt,.. der andere ist während dem Trinken von einer Klippe ins Wasser gesprungen und hat sich dadurch lebensgefährlich verletzt. Am besten das nächste mal besser recherchieren. Zu der Vervielfältigung im Netz will ich nichts sagen. Denn das ist allerseits bekannt und letztendlich sollten sich darüber alle, die das Spiel spielen (dürfen, zwecks Jugendschutzgesetz) im Klaren sein.

    Servus

    1. livetic

      Hallo Gesichtsmann! Danke für die Anmerkungen, aber klar ich hab das natürlich mitbekommen, wie die beiden Tode mit dem Spiel in Zusammenhang stehen. Wollte es aber nur anschneiden, und deshalb nur geschrieben, dass sie “wohl”, also nur wahrscheinlich in folge dessen verunglückt sind. Es ging mir ja nicht explizit um die Verstorbenen, sondern um das Spiel an sich.

  2. tom

    1. Diese Ängste im Bezug auf digitale Öffentlichkeit wird es in wenigen Jahren nicht mehr geben. Man wird über die frühen Mahner lächeln, so wie heute über die zu den Anfangszeiten des Internets. Es wird niemanden mehr interessieren wer etwas ‘Schlimmes’ im Internet veröffentlicht hat, nicht dass ich persönlich das Trinken von einem halben Liter Bier dazu zählen würde, weil unser gesamtes Lebe reine Öffentlichkeit ist. Wer nicht ein bisschen Skandale hier und Drogen da in seinem Leben hatte bringt es eigentlich schon seit der Postmoderne zu nichts Großem mehr, diese Angst vorm großen, bösen, zukünftigen Arbeitgeber ist wirklich antiquiert.

    2. Der Tod ist zwar ein ständiger Teil unseres Lebens aber das Trinken von einem halben Liter Bier mit diesen Todesfällen in Verbindung zu bringen ist ein schlechter Witz.

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