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“Wir können die Armut ausrotten” – Horst Köhler zu Gast in Tübingen

Köhler an der Universität Tübingen als Bundespräsident im Jahr 2009 – Quelle: bundespraesident.de

Am vergangenen Freitag war der ehemalige deutsche Bundespräsident Horst Köhler im Festsaal der Neuen Aula.

Die Veranstalter, das Weltethos-Institut und die Fakultät für Wirtschaft- und Sozialwissenschaften ließen es sich nicht nehmen, den ehemaligen Repräsentanten Deutschlands vorzustellen.

Dabei erwähnten sie Fakten, die dem Zuhörer nicht unbedingt bekannt waren, hatte er Köhler vorher nur als Bundespräsident gekannt. So war dieser nämlich seit 2011 Ehrensenator der Universität Tübingen und deshalb dem Weltethos-Institut sehr verbunden. Das wurde von dem ebenfalls anwesenden emeritierten Theologieprofessor Hans Küng gegründet.

Nach der liebevollen Einführung in die Causa Köhler dankte der ehemalige IWF-Chef dann den freundlichen Worten mit: „Es war zu viel des Guten, aber ich habe mich trotzdem drüber gefreut.“

Dann begann er seinen Vortrag „Globale Partnerschaft – Gedanken zu einem neuen Leitmotiv der internationalen Politik“, indem er seine Entwicklungsagenda Post 2015 vorstellte.

Dieses progressive Werk soll dazu dienen, die schlimmsten Auswüchse der Globalisierung zu bekämpfen beziehungsweise zu unterdrücken und die „Armut abzuschaffen“.

Die drastischen Veränderungen der Entwicklung der Welt beschrieb Köhler, indem er einige Zahlen nannte, zum Beispiel, dass sich die Weltbevölkerung seit seiner Geburt 1943 verdreifacht hatte. Bis 2050 werden es 9 Milliarden Menschen auf dieser Welt sein, was zu gewissen Problemen führt, auch wenn die Globalisierung zu einem erheblichen Wachstumsschub führt.

Weiterhin lobte er die Medien. „Heute kann keiner mehr sagen, er hätte davon nichts gewusst“, sagte Köhler darüber, dass Menschen unter furchtbarsten Arbeitsbedingungen unsere T-Shirts und Kleidung im fernen Bangladesch herstellen müssen.

Mit einem Zitat von Habermas erläuterte er, dass die Welt zu einer „unfreiwilligen Risikogemeinschaft“ geworden ist. Allerdings käme die Regierung nicht „hinterher, die Globalisierung zu managen.“

Es gäbe aber einen Weg, die Zukunft lebenswert zu gestalten, aber dazu müsste man souveränen Staaten auf Augenhöhe begegnen.

Man müsse nicht nur lokal handeln und global denken, sondern auch lokal denken und global handeln, um lokale Probleme aus der Welt zu schaffen.

Weiterhin sprach sich Köhler gegen eine Weltregierung aus, die größten Probleme müssten allerdings jenseits der Nationalstaaten gelöst werden und seien nur da lösbar.

Da wir alle in einem Boot sitzen, muss man eine globale Wertebasis schaffen.

Am Schluss seines Vortrags schlug er noch ein Dreipunktemodell vor, indem es vor allem darum ging, Vertrauen zu schaffen, da Vertrauen die wichtigste Ressource der Welt sei und der Westen durch sein verschwenderisches Handeln unglaubwürdig werden würde.

Man brauche neue Institutionen, vor allem, wo großes Misstrauen herrscht, aber ohne den Menschen würde das alles nicht gehen, darum müsse man diesen mitnehmen.

Mit dem Appell: „Machen Sie mit.“ beendete er dann seinen Vortrag und stellte sich vier Fragen:

„Was soll man denn tun? Viel mehr als Wassersparen können wir ja nicht mehr“ „Diskutieren Sie mit.“

„Welchen Geist brauchen wir, um uns zu ändern?“ „Wir müssen anderen helfen, sich selbst zu helfen. Die Würde des Menschen in Afrika ist angetastet, da müssen wir helfen.“

„Welchen Rat geben Sie den Universitäten?“ „Sie sollten gutes Wissen vermitteln, aber mit der Wirklichkeit des Lebens. Es braucht mehr Austausch, man muss sich mehr mit dem Ausland.“

„Thema Kriege: Warum werden von Deutschland so viele Waffen exportiert?“

“Der Waffenexport muss natürlich reduziert werden, aber man muss erstmal mit den Menschen vor Ort reden. Man kann es ihnen nicht einfach so verbieten.“

Dann wurde Köhler mit Applaus belohnt und verließ die Bühne.

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0 Response

  1. Der Mann schwafelt ohne philosophische Axiome und Syllogismen.
    Meinen solche Menschen tatsächlich, ein hohes Amt (oder vorhergehende Ämter) gäbe ihnen etwas, was ihnen ein lebenslanges nicht-konzeptuelles Denken verbarg? Sie (Leute wie Köhler) haben die grenzenlose Arroganz sich alleine nicht als Teil der Probleme zu sehen. Traurig und lächerlich.
    Nette Grüße.

    1. Weltbürger

      Wie kann man so zynisch sein, wenn jemand wie Köhler mit so viel Empathie über solch wichtige Themen spricht? Wir sollten froh sein, dass unsere gesellschaftliche Kultur die Empathie nicht mehr ausgelöscht und den Zynismus nicht wachsen lässt.

  2. “…wenn jemand wie Köhler mit so viel Empathie über solch wichtige Themen spricht?…” ich denke, seit Willy Brandt hatten hatten wir genug “Heilige” (eher Scheinheilige) die redeten und mit Gesten beeindruckten.
    Sehen Sie noch einen großen Bedarf für Reden? Sorry, ich bin mehr fürs stille Handeln.

  3. verwundert

    Lieber Alphachamber,
    hast du dir den Vortrag denn angehört oder wenigstens das Manuskript nachgelesen?

    Wenn nicht, würde ich mich an deiner Stelle doch eher aufs stille Handeln verlegen anstatt hier große Reden zu schwingen.

    1. Lieber “Verwunderter”,
      ” hast du dir den Vortrag denn angehört oder wenigstens das Manuskript nachgelesen?” Das habe ich in der Tat.
      Was wird jetzt aus Ihrem letzten Satz?

      1. verwundert

        Nun ja, bleibt eben die Frage, wieso du nicht, wie du vorgibst zu präferieren, “still handelst” sondern offenbar auch einen Wert in der Diskussion siehst (sonst würdest du hier ja nicht mitreden). Wenn du aber zugestehst, dass das Reden durchaus eine Teilmenge des Handelns ist, dann könntest du dich jetzt konstruktiv und im Detail mit den Argumenten des Vortrags auseinandersetzen, anstelle dem Vortragenden einfach pauschal die Legitimität zum Reden abzusprechen (du hast den Vortrag ja nach eigener Auskunft gelesen, also sollte das nicht so schwer fallen). Alles andere erscheint mir dann doch eher wie, um dich zu zitieren, “grenzenlose Arroganz”.

  4. Schlappe 11 Monate für dieses syllogistische Trümmerfeld ?
    So viel Fleißarbeit verdient dennoch eine Antwort. Aber so kurz es geht:
    1. Nein, ich sehe keinerlei Wert in Diskussionen mit selbstgefälligen Altruisten.
    2. Ich “handel” seit 25 Jahren ehrenamtlich für Kambodschas Wiederaufbau – ohne die
    “Teilmenge des Redens” (Oh Mann!)
    3. Was mir bei diesen Wohlfahrtsreden die stärkste Übelkeit bereitet, ist das Schlüsselwort: “WIR” – das bedeutet nämlich immer der andere.

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