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Tübinger Studenten erhalten Blick hinter die Bühne

Markus Feldenkirchen an der Universität Tübingen. - Foto: Kevin Tiedgen

Markus Feldenkirchen an der Universität Tübingen. – Foto: Kevin Tiedgen

Locker und entspannt sitzt ein von Herr Pörksen bezeichneter „Alpha-Journalist“ am Montagabend der vergangenen Woche in einer Tübinger Bar, deren Namen unaussprechbar scheint. Er liest aus seinem zweiten Roman „Keine Experimente“ vor.

Acht Stunden zuvor war das Ambiente weniger entspannt, Uni-Alltag eben. Doch locker war er, Markus Feldenkirchen, trotzdem. Der SPIEGEL-Reporter gab einen Vortrag über die „Macht und Ohnmacht des politischen Journalismus“ und versuchte Tübinger Studenten einen Blick auf die Hinterbühne zu verschaffen. Doch wie üben politische Journalisten überhaupt Macht aus? Sie haben die Aufgabe „den Vorhang wegzuziehen und die Absicht hinter der behaupteten Absicht zutage zu bringen“, sagte Feldenkirchen. Die beste Art der Machtausübung seien die Recherche und die Aufdeckung von Tatsachen. So könne es schnell unangenehm für die Betroffenen werden. Ebenso unangenehm könne eine Ausübung auf die Wahrnehmung des Images durch den Journalisten sein. Politiker schauen darauf was im öffentlichen Diskurs über sie berichtet wird, denn Politikjournalisten können das Image von Politikern prägen, wie Sigmar Gabriel (SPD) einmal spüren musste, so der 38-Jährige.

Umgekehrt laufen politische Journalisten oft Gefahr als Werkzeug benutzt zu werden. Bei Hintergrundgesprächen und Einladungen zu Dienstreisen fühle sich der Journalist „gebauchpinselt“. Feldenkirchen persönlich sei es lieber, wenn es diese “Institution Hintergrundgespräch” nicht gebe. Man brauche ein gutes inneres Wertegerüst, denn „da kommt es zu einer Mischung von halbprivatlichem Rahmen und von beruflichem Aufpassertum“.  

„Geruhsam…schönes Wort“

Die größte Ohnmacht sei für ihn aber die Konzeptlosigkeit im Umgang mit dem Internet und manche Fehlentscheidungen von Redakteuren diesbezüglich. „Man sollte für guten Journalismus zahlen und ihn nicht umsonst im Internet anbieten. Sonst wird die finanzielle Grundlage entzogen.“ Wichtige Bestandteile des Journalismus, wie zum Beispiel die Recherche, nehmen dadurch Schaden.  “Wenn ich die Chance hätte, würde ich Medienmanager oder sowas werden, um da was zu ändern”, sagte Feldenkirchen in der anschließenden Diskussion auf die Frage, wieso man denn nichts gegen dieses Problem unternehme. Bei der Frage einer Studentin, ob man in jungen Jahren als Journalist frech sei und im Alter geruhsam werde, lachte Feldenkirchen und sagte: „Geruhsam…schönes Wort“, aber geruhsam sei er noch nicht. Er will den Politikern ja weiterhin auf die Finger schauen.

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