Home > Kultur > Vom Sauerland nach Berlin: Querfeldein mit Markus Feldenkirchen

Vom Sauerland nach Berlin: Querfeldein mit Markus Feldenkirchen

Nach erfolgreicher Auftaktveranstaltung „Tatort mit Philipp Walulis“ am letzten Sonntag, lud die neue Kulturorganisation „Querfeldein“ diesen Montag zur Lesung mit Spiegel-Autor Markus Feldenkirchen ein. Im Vordergrund stand sein neuster Roman „Keine Experimente“.

Querfeldein mit Feldenkirchen im Ribingurūmu. Foto: Jonathan Gauß/ Querfeldein

Querfeldein mit Feldenkirchen im Ribingurūmu. Foto: Jonathan Gauß/ Querfeldein

Von Pablo Streich

Markus Feldenkirchen ist in Tübingen kein Unbekannter. So portraitierte er im März vorletzten Jahres in seinem Artikel „Die grüne Hölle“ passend das französische Viertel und seine Bewohner im spießbürgerlichen Utopia. Auch in seinem neuen Werk „Keine Experimente“ sind konservative Werte in Reflexion der Moderne ein zentrales Motiv. Der konservative Bundestagsabgeordnete Frederik Kallenberg wächst im tiefsten Sauerland auf. Dort trifft er mit 15 Jahren auch auf seine jetzige Frau und Liebe seines Lebens, Julia. Scheinen die beiden noch so glücklich, beginnt er eine Affäre mit der erfrischend aufmüpfigen und eloquenten, jungen Feministin Liane. Daraufhin gerät nicht nur seine Ehe sondern auch sein von Moral geprägtes Wertegerüst ins Wanken.

Sein Weg zum Roman begann mit dem Schreiben von Kurzgeschichten, neben seiner journalistischen Tätigkeit. Da man „Beim Journalismus ja 1:1 bei der Realität bleiben muss“, beginnt Feldenkirchen seinen Horizont als Autor zu erweitern. Der erste Roman „Was zusammengehört“ erschien 2010 und wurde wie sein neuer Roman im Echo der Presse positiv aufgenommen. Obwohl man das denken mag,  stellte beim Revierwechsel das Schreiben gar nicht die größte Hürde dar. Der schwerste Schritt sei es, beim Verlag “ Das fertige Buch zum ersten Mal in fremde Hände geben zu müssen“.

„Liebe hat doch immer in allen Dingen eine zentrale Stellung“

Nach einer kurzen Einführung zu seiner Person und einem kleinem Interview zu seinem Werdegang, beginnt Markus Feldenkirchen die Lesung mit einem Ausschnitt aus dem ersten Kapitel. Schnell wird klar: Hier spricht  und schreibt der Romanautor Feldenkirchen selbst. Neben sprachlicher Raffinesse und bissigen Humor, bekommt man eine Ahnung davon, wie sein Hang und Talent zum Portrait (u.a Sarah Wagenknecht,Wolfgang Schäuble) sich auch in seinem Roman widerspiegelt. Dem Zuhörer und Leser fällt es leicht sich in Feldenkirchens Werk und seine Protagonisten hineinversetzen zu können. Als er das erste Treffen zwischen Frederick und Julia beschreibt geht ein mitfühlendes Seufzen durch den Raum, gefolgt von Lachen über die juvenile Naivität des Protagonisten. Mit den Worten „Liebe hat doch immer in allen Dingen eine zentrale Stellung“ gibt Feldenkirchen nach diesem Abschnitt Antwort auf die Frage ob Liebe im zweiten Roman wieder eine zentrale Rolle spielt. Als Inspiration diente ihm „das Verhalten unterschiedlicher Paare in den unterschiedlichsten Beziehungsgeflechten“ lenkt Feldenkirchen nach kurzem Zögern ein. Man merkt gleich, dass viel mehr persönliche Geschichte dahintersteckt, als der Autor im Gespräch preisgeben möchte. Eine weitere persönliche Parallele ist  seine Kindheit und Jugend im bergischen Land. „Das Sauerland galt für mich dann als sowas wie die Endhärte des Ländlichen“ so Feldenkirchen. Er besuchte die Region häufiger in der Zeit in der er seinen Roman schrieb. Er lernte die Vor- und Nachteile der ländlichen Gemeinschaft besser zu verstehen. Der einzigartige dörfliche Zusammenhalt auf der einen, die Kontrolle durch die ständige Beobachtung auf der anderen Seite. Den Charakter des dort aufwachsenden Frederik zu beschreiben viel ihm nach eigenen Worten nicht leicht, dennoch habe er die Figur immer mit Sympathie begleitet.“Man könne die Figur durchaus verstehen lernen ohne seine Ansichten zu teilen“. Über seine Arbeit als politischer Journalist gewann er aber „viel Verständnis für die Zwänge von Bundestagsabgeordneten“. Auch wenn er die Arbeit anerkenne, tauschen wolle er nicht.

Die Veranstaltung war gut besucht und macht Lust auf mehr. Lust das Werk selbst in den Händen zu halten und Lust auf ein weiteres abwechslungsreiches Event von Querfeldein! Die gestellten Fragen waren informativ, durchdacht und gut recherchiert. Im Verlauf der Veranstaltung wechseln sich kurze anregende Fragerunden und Kommentare des Autors, mit Lesungen aus weiteren Abschnitten seines Buches ab. Bei der ausserordentlichen Professionalität, kam während den Fragen allerdings manchmal der Wunsch nach mehr Spontanität und dem persönlicheren Gespräch mit dem Autor auf.

Wir freuen uns auf das folgende Event von Querfeldein am 16. Januar 2014 mit Nils Minkmar!

Mehr zu den Events von Querfeldein: http://www.verein-querfeldein.de/

You may also like
„544 Tage“ – Stefan Berg über seine Zeit als Bausoldat in der DDR
Kalauer über die ARD – Querfeldein mit Pierre M. Krause
Moderne Feministin oder frustrierte Männerhasserin? – Anne Wizorek bei Querfeldein
Pro-Contra Imperative Mandate – Contra: Die Räte handeln undemokratisch

Leave a Reply