Home > Studentenleben > Party > K.O.-Tropfen in Tübingen

Aufregung im Netz auf der Seite von Spotted: University of Tübingen. Vor den Augen der ganzen Stadt berichtet ein Mädchen über ihre Erfahrungen bei einer Party am letzten Wochenende:

“An den Scheißkerl vom Freitag auf der Virtembergia: Danke für die gratis Dosis K.O.-Tropfen! Das ganze Wochenende war am Arsch!!!!!!! (Dein Pech nur dass wir so tolle Beschützer hatten) Mädels passt gut auf euch auf!! Ich hoffe es ging nicht noch mehreren so????”

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Screenshot des Facebook Eintrags von Spotted

Bei Tübingen denken die Meisten nicht an eine Stadt, in der man als Mädchen Angst haben muss, mit K.O. Tropfen betäubt zu werden. Umso aufgeregter sind die Kommentare der Tübinger Netzgemeinde. Neben allgemeinen Beschimpfungen gegenüber Verbindungen und der berechtigten Antwort darauf, dies habe mit dem Fall nichts zu tun, zeigt sich vor allem Bestürzung über den Vorfall. Der Betroffenen wird zur Anzeige bei der Polizei geraten. Es wird von allen Seiten gute Besserung gewünscht. Außerdem wird dort auch von weiteren Fällen in letzter Zeit in Tübingen berichtet:

“Hab das auch gehört von jemandem bei einer anderen Party vor 2 Wochen…also echt aufpassen!”

Es scheint als ob es in letzer Zeit immer wieder diese Fälle auch in Tübingen gibt. Bereits 2009 stand ein Mann deswegen in Tübingen vor Gericht. Ihm wurde vorgeworfen, in drei Fällen Mädchen mit K.O. Tropfen betäubt und dann sexuell belästigt zu haben. Sogar das ZDF hat darüber berichtet. Dass es zur Anklage kommt, ist allerdings selten, meint Josef Hönes von der Polizei Tübingen: “Das Problem ist die Beweissicherung. Diese Stoffe sind oft nur kurz im Blut nachweisbar.” Außerdem trauen sich viele Frauen nicht zur Polizei. Sie sind sich nicht sicher und haben Angst jemanden falsch zu beschuldigen.

Wie kann man sich schützen?

Leider kann man nichts machen, um ganz sicher vor solchen Tropfen zu sein. Allerdings kann man die Chancen verringern, wenn man bestimmte Tipps beherzigt. Die Webseite ko-tropfen-nein-danke.de meint dazu:

  • Nimm kein offenes Getränk von Leuten an, die du nicht kennst.
  • Auch bei Freunden oder Partybekanntschaften: Nimm nur Getränke an, deren Weg du vom Tresen an verfolgt hast. Im Zweifelsfall auf einen Drink verzichten oder nur verschlossene Flaschen annehmen.
  • Lass dein Getränk nicht unbeobachtet stehen. Wenn doch, lieber ein neues Getränk bestellen. Macht untereinander aus, dass ihr gegenseitig auf eure Gläser aufpasst.
  • Trinke nicht zu viel Alkohol. Im Vollrausch bist du auch ohne K.O.-Tropfen leichter angreifbar. Wenn du betrunken bist, kannst du viele Situationen nicht mehr gut einschätzen.

Die weit verbreiteste Art von K.O.-Tropfen ist die, als “Liquid Ecstasy” bekannte, Droge GHB oder GBL. Das Problem ist, dass die Droge ähnliche Wirkung zeigt, wie extrem starker Alkoholkonsum. Trotzdem gibt es Anzeichen auf die man achten kann. Kurz nach dem Konsum wird einem schlecht und schwindelig. Das wird oft mit den Folgen des Alkohols verwechselt. Nach etwa 10-20 Minuten tritt dann die Wirkung ein. Oft wirkt man euphorisiert und flirtet stark, ist redseelig. Es ist nicht wirklich auffällig. Man wirkt angetrunken, kann aber noch normal reden. Das einzige Problem: Man ist Willenlos und wird sich an diese Zeit nicht mehr erinnern können. Irgendwann setzt die Müdigkeit ein. Jetzt wird man für den Täter zur leichten Beute. Dieser kann Hilfe anbieten und leicht von der Party wegbringen.

Zusammen mit Alkohol ist die Droge lebensgefährlich

Ist die Dosierung zu stark oder es kommt im Körper mit viel Alkohol zusammen kann “Liquid Ecstasy” neben Bewusstlosigkeit auch Atemstillstand hervorrufen. Das kann tödlich für das Opfer enden. Deswegen ist es wichtig bei bewusstlosen Menschen vor einer Party-Location immer auch an Erste Hilfe zu denken. Gibt es Puls? Gibt es Atmung? Nicht sicher? Lieber einmal zu viel den Krankenwagen rufen.

Die einzige Möglichkeit ist mit Freunden Abmachungen zu treffen. Man kommt gemeinsam, man geht gemeinsam und wärend der Party passt man aufeinander auf. Sollte es vorkommen, dass man dennoch K.O.-Tropfen verabreicht bekommt, den Krankenwagen und die Polizei rufen und Blut abnehmen lassen. Geht das nicht den Urin aufheben. Nur so kann man später beweisen, dass es tatsächlich K.O.-Tropfen waren, denn diese sind nur 6 bis 8 Stunden danach nachweisbar.

Die Freunde des Mädchens von der Virtembergia-Party haben alles richtig gemacht. Man muss füreinenander da sein und sich helfen wenn einer in Not ist.

Weitere Infos auch auf dieser Webseite: www.ko-tropfen-nein-danke.de

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0 Response

  1. Margarita

    Es erstaunt mich immer wieder, dass Menschen glauben, in einer ‘Provinzstadt’ passiere so etwas prinzipiell nicht… Merkwürdig.

    Gerne würde ich noch einen Rat mitgeben, aber diesmal nicht nur an die potentiellen Opfer dieser Taten:
    Leute, wenn ihr bemerkt, dass in eurem Freundeskreis Witze darüber gerissen oder derartige ‘Streiche’ gar geplant werden – bitte ergreift das Wort und stellt die Menschen zur Rede. Es ist nicht immer nur der abgeschottete Triebtäter, der diese Dinge tut, sondern es können gerade auch Menschen in unserem Alter sein, Studenten, vielleicht unsere Bekannte. Das ist nicht abwegig. Und ihr helft mit, indem ihr Menschen, die sowas verharmlosen, zur Rede stellt.

  2. michael

    Hallo ihr lieben,

    Aufpassen ist schon wichtig und ich habe volles Verständnis und Mitgefühl für alle Opfer.
    Aber Opfer werden kann man auch in umgekehrter Hinsicht, denn vor ein paar Wochen wurde mir unterstellt, dass ich einem Mädel “etwas” in den Drink getan hätte.

    Zur Geschichte:
    Meine Freunde und Ich haben in einem Club (nicht in Tübingen) gefeiert und mit einem Mädel hatte ich munter drauf los geflirtet. Währenddessen haben meine Freunde mal wieder Sambuca besorgt.
    Da ich nicht “unfreundlich” sein wollte (obwohl ich kein ernsthaftes Interesse an ihr hatte) habe ich ihr den für mich gedachten Sambuca angeboten, damit Sie mit uns anstoßen kann. Den hat sie dann auch getrunken. Nach einer Weile nachdem Sie gemerkt hatte, dass ich tatsächlich kein Interesse an ihr habe ist sie auch von der Tanzfläche verschwunden.

    Es vergingen weitere Minuten bis ein Türsteher freundlich aber bestimmt auf uns zukam mit dem Hinweis, dass uns jemand unterstellt “wir würden Leuten was in den Drink mischen”.
    Im ersten Moment haben wir das nicht sonderlich ernst genommen. Als wir dann herausgefunden haben, wer uns das unterstellt hat, konnten wir das Ganze auch schnell aufklären. Es waren die Kaffeebohnen, die für gewöhnlich mit Sambuca serviert werden und die das Mädel skeptisch gemacht haben.
    Während wir mit den Türstehern das Ganze besprochen hatten, war sie auch schon wieder fröhlich tanzend auf der Tanzfläche.

    Uns hat diese Sache jedoch ganz schön die Laune verdorben, denn die Geschichte hätte für uns auch ganz anders ausgehen können.

    1.) Das Mädel machte auf mich tatsächlich einen Eindruck, als hätte sie Drogen genommen. Zumindest war ihr Verhalten, dass sie zeigte im Rückblick auffällig und eher unnormal. Bereits nach einem kurzen Augenzwickern hat sie sich mir um den Hals geworfen und ihren Körper exzessiv an mir gerieben.
    2.) So eine Aktion zu bringen, dazu gehört schon entweder große Angst oder man kennt sich aus im Milieu.
    3.) Wäre die Polizei gekommen und hätte tatsächlich Drogen in ihrem Blut gefunden, wie hätte ich beweisen können, dass ich es nicht gewesen bin?

    Fazit: Eine solche Unterstellung kann nicht nur eine Anzeige oder Strafe mit sich bringen, sondern u.U. das Karriereende von unschuldigen Menschen bedeuten.

    Deshalb mein Tipp an alle Drink-Ausgeber:
    Seid vorsichtig und denkt an die Bohnen im Sambuca oder sonstigen Drink-Beilagen, oder gebt einfach keinen unbekannten Mädels mehr nen Drink aus 🙂

    lg Michael

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