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Das TV-Duell beim “Underdog”

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SPD Anhänger beim sehen des TV-Duells – Bild: Constantin Pläcking

Das TV-Duell ist das Highlight des Wahlkampfes. Das einzige Aufeinandertreffen zwischen Kanzlerin und Herausforder. Der Showdown in Berlin Adlershof. Jedes Mal habe ich es seit 2002 angeschaut. Und in diesem Jahr, in dem ich mich viel mit dem Wahlkampf in Tübingen beschäftigt habe, wollte ich es mit der Partei machen, die – in den Umfragen – weit abgeschlagen hinten liegt. Deswegen bin ich der Einladung des SPD Bundestagskandidaten Martin Rosemann gefolgt und habe mit etwa 90 Menschen gemeinsam beim Public Viewing im Biergarten Neckarmüller das TV-Duell angeschaut. Als ich dort ankam, schien die Stimmung bei der SPD ein wenig resigniert. Umfragezahlen bei 25 % und keine Besserung in Sicht, schienen auf den Schultern der Wahlkämpfer zu lasten. Dies schien sich mit laufendem Duell sehr stark zu ändern. Auf einmal gab es Szenenapplaus für Steinbrücks Aussagen, Merkel wurde ausgelacht. Dass die Gefühlslage in diesem Umfeld wohl eher für den Herausforderer sein würde, ist klar, aber es schien sich eine kleine Hoffnung breitzumachen, dass dieses Duell wohl für Peer Steinbrück ausgehen könnte.
Auch mir ging es so. Ich fand Peer Steinbrück überzeugender als Angela Merkel. Diese wirkte vor allem am Anfang des Duells unausgeschlafen, Steinbrück frischer.

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SPD folgt gespannt ihrem Kanzlerkandidaten – Bild: Constantin Pläcking

Auch danach war Steinbrück angriffslustiger, er und Raab haben es geschafft eine klare Absage von Merkel zur PKW Maut zu bekommen. In München ist man sicher vom Sessel gefallen. Seine Aussage zum Kanzlergehalt war zwar der niedrigste Punkt der Debatte, aber irgendwie hat er das auch noch ganz gut gelöst. Nach dieser Debatte habe ich verstanden was Peer Steinbrück will, aber nicht was Angela Merkel. Dabei hat sie hat fast fünf Minuten länger geredet. Ohne mir irgendetwas zu erklären außer, dass sie keine Steuererhöhungen will. Unglaublich unpräzise und nicht klar und verständlich. Dabei hat sie übrigens viel mit ihrer Kandidatin Annette Widmann-Mauz gemeinsam, die auch eher unpräzise und den Fragen ausweichend im neckarSTUDENT-Interview war.

Umfrage der ARD – Grafikquelle: tagesschau.de

Im Gespräch mit den SPD Anhängern danach war die Stimmung erleichtert. Man fühlte sich als Sieger des Duells. Ein Gefühl, das ich teile. Man hat zum ersten mal gespürt, dass die SPD Wahlkämpfer in Tübingen stolz auf ihren Kandidaten waren. Er hat zum ersten Mal überzeugt. Auch in der Umfrage die in der Sendung “Günther Jauch” gezeigt wurde, waren die Aussichten besser als jemals in den Wochen zuvor. Laut Infratest Dimap für die ARD war er Sieger des Duells. Das macht Freude. Dass es bei der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF genau umgekehrt war, wusste man im Neckarmüller natürlich nicht.

Raab und Will im TV-Duell – Quelle: Screenshot

Das andere Große Thema war natürlich die Personalie Stefan Raab. Für Martin Rosemann (Klick hier für das Interview), war er der Sieger unter den Moderatoren. Das bestätigten auch einige Mitglieder der Tübinger JuSos die noch später ein wenig mit mir sprachen. Peter Klöppel mochte man weniger. Aber natürlich gab es auch hier nur einen Sieger: Peer Steinbrück. Auch wenn man den sicher so schon seit Tagen über den grünen Klee lobt, nach dem Duell komme man sich jetzt “weniger als ‘Jubelperser’ vor.” Dieses Duell mag zwar nicht die Wahl entscheiden und die Blitzumfragen während und nach dem Duell sind sicher nicht zu ernst zu nehmen, dennoch wird, so kam es mir in Tübingen vor, ein positiver Impuls für den Wahlkampf für die SPD hängen bleiben. Es könnte der Silberstreif am Horizont sein, den diese Partei noch brauchte um die heiße Phase angehen zu können.

So konnte am Ende noch gelacht werden: Am lustigsten wäre gewesen, wenn Ronald Pofalla zwischendrin ins Studio gestürmt wäre und das Duell für beendet erklärt hätte.

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