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Die Suche nach dem Skandal – Warum Medien gerade von MdB Dagmar Wöhrl, CSU lernen können

Man sagt, in Berlin da lebe man in einer großen Politikblase, einem abgeschotteten Kreis der sich gerne und nur mit sich selbst beschäftigt. Berliner Abgeordnete werden von Lobbyisten beeinflusst. Die Hauptstadtmedien werden von den gegnerischen Lobbyisten beeinflusst und die schreiben dann irgendwas Böses über die Politiker weil sich das gut verkauft, hohe Einschaltquoten bringt oder Menschen dazu bewegt auf den Artikel zu klicken. Zur Zeit scheint Steuerhinterziehung ein ganz großes Thema zu sein. Mit Uli Hoeneß hat man eine ganz fette, und vielleicht auch nicht ganz unschuldige, Sau gefunden die man durchs Dorf treiben kann. Das Thema lief lange und gut. Damit wurden viele Zeitungen verkauft, viele Sendeminuten gefüllt und hohe Klickzahlen erreicht. Diese Dinge sind die Währung für viele Medienhäuser. Journalisten die das liefern können sind gute Journalisten.

Doch Uli Hoeneß ist jetzt vorbei. Es reicht noch zum kleinen Halbsatz oder zum Witz im nächsten Kabarett Programm. Aber wirklich neue Informationen gibt es gerade nicht. Deswegen wird jetzt nachgeforscht. Was gibt es neues im gut laufenden Thema Steuerhinterziehung? Hmmm. Wie geil wäre es eigentlich wenn wir Koalitionspolitiker finden könnten, die Steuern hinterziehen? Also wird nach Verbindungen von CDU, CSU oder FDP Politikern mit der Schweiz gesucht. Vielleicht stolpert man über einen Skandal, oder wenigstens ein Skandälchen.

Das oder so ähnlich könnte man bei der Süddeutschen Zeitung jetzt gedacht haben und sich klammheimlich über zugespielte Dokumente aus dem Büro von Dagmar Wörl gefreut haben. Immerhin hat die ja Einnahmen aus der Schweiz.

Dagmar Wöhrl, CSU im Deutschen Bundestag. Foto: dagmar-woehrl.de

Ich möchte nicht bewerten ob Frau Wöhrl irgendetwas gemacht hat, dass eine Recherche veranlasst, dazu kenn ich die Hintergründe nicht. Auch beim bereits veröffentlichten Artikel „Elefantencamp statt Bundestag“ kann ich die Wahrheit nicht beurteilen. Dieser Fall ist aber vor allem in einer ganz anderen Sicht interessant. Die Art wie hier von und mit Medien umgegangen wird ist vor allem eine Lehrstunde. Die Süddeutsche Zeitung scheint es auf Frau Wöhrl abgesehen zu haben und versucht nun etwas zu finden. Viele Politiker würden das sicher als etwas Unabwendbares ansehen. Etwas womit man leben muss, etwas was man dazu bekommt wenn man in den Bundestag gewählt wird. Nicht Frau Wöhrl. Die entscheidet sich alle Anfragen von Journalisten online zu stellen und alle Dokumente öffentlich zu machen.  Es kommt einem dabei mehr als Anklage vor, als die Entscheidung einer Frau die frustriert ist. Einer Frau die es sich nicht mehr gefallen lassen will, dass einfach über sie geschrieben wird was Journalisten wollen. Eine Frau die etwas tun will.

Der Vorteil für uns als mündigen Leser kommt aber vor allem dadurch, dass die Berichterstattung nachvollziehbar wird. Durch die Veröffentlichung der Fragen und der Dokumente kann ich mir den Artikel von Uwe Ritzer, der vielleicht noch kommen wird, durchlesen und mir meine eigene Meinung bilden. Ich kann objektiv nachprüfen, ob im Artikel falsch zitiert, weggelassen oder verfremdet wurde. Natürlich ist das eigentlich nicht die Aufgabe der Politiker solche Dinge zu veröffentlichen, doch diese haben ein Interesse daran nachprüfbar richtig wiedergegeben zu werden. Aber auch Zeitungen und andere Medienanstalten sollten das haben:

Wenn man im Netz alles Rohmaterial anschauen kann, kann ich die Spreu vom Weizen trennen. Dann kann ich die hergehen und sehen, was nur Spekulation ist und was fundierte Informationen sind. Dann kann ich das Käseblatt vom Qualitätsjournalismus unterscheiden. Und zwar objektiv.

In der Wissenschaft ist diese Art der Quellenangabe bereits selbstverständlich. Aus gutem Grund. Denn nur wer nachprüfbar seine Quellen abgibt kann auch behaupten, dass seine Veröffentlichung auf Stein gebaut ist. Die Sendung ZAPP macht das in ihrem Online Angebot ZAPP Plus bereits. Auch das ZDF Heute Journal versucht diese Möglichkeit online. Es wird Zeit, dass alle Journalisten nachvollziehbar werden. Wie es geht mit der Transparenz zeigt uns eine Politikerin aus der CSU. Auch das sollte zu denken geben.

Link zu den Fragen auf dagmar-woehrl.de

Artikel der SZ “Elefantencamp statt Bundestag

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