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Hilfe! Die Welt geht morgen unter?

Überall kann man es lesen. Morgen geht die Welt unter. Der Maya-Kalender hat es prophezeit. Auch in Tübingen gibt es mehrere Partys die sich mit dem angekündigten Weltuntergang beschäftigen. Doch richtig damit auseinandergesetzt hat sich niemand.

Natürlich sind das alles Artikel die mit Augenzwinkern berichten. Oder sie schreiben über Menschen die daran glauben. Trotzdem ist der Hype unglaublich groß. Immerhin veranlasst er auch mich darüber zu schreiben. Was aber fast alle Medien falsch machen ist folgendes: Der Maja-Kalender wir oft mit einem Stein bebildert. Doch es gibt keinen einfachen Maja-Kalenderstein.

Fälschlicherweise als Maya-Kalender ausgegebener Azteken-Kalenderstein. Quelle: http://www.antakarana-blog.de/wp-content/uploads/2010/07/maya1.jpeg

Nikolai Grube, Professor für Altamerikanistik und renommierter Maya-Forscher der Uni Bonn, beantwortet das im renommierten BILDBlog so:

„Das ist der aztekische Kalenderstein, 1000 km und 700 Jahre von den klassischen Maya entfernt … Das ist so, als würden Sie zur Illustration des Reichstagsgebäudes eine osmanische Moschee aus Izmir zeigen. Solche Fehler sagen viel über die Kenntnisse und den Respekt der Medienmacher für fremde Kulturen aus. Es gibt nicht eine Abbildung des Maya-Kalenders, sondern mehrere tausend. Der Maya-Kalender ist eine Idee, er ist eine bestimmte Form der Zeitrechnung und liegt deshalb tausenden von Hieroglypheninschriften zugrunde.“

Schaut man in die Wikipedia wird einem das klar. Zum Weltuntergang und seiner Voraussage durch die Maya steht da folgendes:

„Nach Ansicht von Mayaforschern ist dies inhaltlich völlig unzutreffend.“

Nun gut, so viel sollte allen eigentlich klar sein. Viel interessanter ist doch was eigentlich an diesem Tag so besonderes ist, denn irgendwie müssen bestimmte Menschen ja auf diesen Tag als Weltuntergangstag kommen. Dazu erklärt ebenfalls die Wikipedia:

„Korrekt ist, dass an diesem Tag in der Langen Zählung zum ersten Mal seit dem Jahre 3114 v. Chr. der Zahlenwert des Ausgangstages des aktuellen 13 Baktun-Zyklus der Langen Zählung […] wiederkehrt. Dieser Zahlenwert tritt nach der Schematik des Mayakalenders regelmäßig nach 1.872.000 Tagen (ca. 5128 Jahren) ein. […] Die Maya haben nachweislich über den Endtag des Baktun-Zyklus sowohl weit in die Vergangenheit wie in die Zukunft gerechnet und mit diesen Daten mythisch-dynastische Ereignisse verbunden. So wird ein Thronjubiläum des Herrschers Pacal im Jahr 4772 [n.Chr.] genannt.“

Trotz der etwas kryptischen Vorhersage, morgen würde die Gottheit Bolon Yokte’ K’uh auftreten und einen neuen Amtsträger vorstellen sagten die alten Maya laut dem US-Forscher William A. Saturno voraus, „dass die Welt weitergehen würde und dass die Dinge in 7000 Jahren genauso sein würden wie heute“

Was wir eigentlich morgen feiern ist nicht mehr und nicht weniger als eine Art Millennium. So wie wir es vor fast 13 Jahren auch gefeiert haben. Nur, dass das Maya Millennium eben nicht nach 1000 Jahren wiederkehrt, sondern nach ca. 5128 Jahren. Der morgige Tag ist also ein besonderer im Maya-Kalender, doch selbst die Maya haben sehr wahrscheinlich nicht daran geglaubt, dass die Welt an diesem Tag untergeht sondern explizit Vorhersagen über die Zeit danach gemacht.

Aber wer weiß, vielleicht passiert ja doch etwas. Immerhin könnte Deep Thought endlich Antwort auf die Frage “nach dem Leben, dem Universum und Allem” errechnet haben.

Computer Deep Thought aus dem Film “Per Anhalter durch die Galaxis”. Historische Rechenleistung: 42 Quelle:http://images4.wikia.nocookie.net/__cb20111215081138/hitchhikers/images/d/de/Deep_Thought.png

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