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Warum wir eine aktivere Studierendenvertretung brauchen.

Letztes Jahr habe ich ein neun Monate als Erasmus Student in Southampton in England verbracht. Dort habe ich vieles gelernt. Vor allem die Sprache. Was mir aber schon sehr früh aufgefallen ist, war, dass die Studierendenvertretung, die sogenannte Student’s Union, viel präsenter auf dem Campus ist als der AStA es in Tübingen ist. Nicht nur gab es Partys, die gibt es als Clubhausfest schließlich auch, nein es wurden häufig die Studenten gefragt was sie denn gerne verbessern würden. Dazu liefen Freiwillige über den Campus bewaffnet mit iPads und fragten die Studierenden nach dem Befinden und nach Verbesserungsvorschlägen für das Unileben.

Und es gab auch Veränderungen. Weil der Server der UniBib für einige Tage vor den Deadlines der Essays unerreichbar war gab es für alle Studierende eine Verlängerung von ein paar Tagen. Nur weil die Student’s Union Druck gemacht hat bei der Universität. Vor allem die Öffentlichkeitsarbeit ist besser. Man ist auf dem Campus präsent. Man zeigt was man erreicht hat. Und man spricht nach Außen mit einer Stimme.

Vor allem der letztere Punkt ist ein Problem. Wenn man Infos über die Studierendenvertretung und was gemacht wird möchte, bekommt man eher Infos von den im AStA vertretenen Gruppen als vom AStA selbst. Hier kann ich nur mühsam Protokolle durchlesen. Weil innerhalb des Ausschusses bereits parteipolitisch organisierte Gruppen vertreten sind, ist Streit vorprogrammiert. Es kommt nicht zu einer Lösung die von allen mitgetragen wird. Stattdessen will man sich, ganz wie die Großen, parteipolitisch profilieren. Da kommt es dann zu Nebenkriegsschauplatzdiskussionen wie: Schreibt man jetzt besser „Student“, „Student/in“, „StudentIn“ oder „Student_in“. Diese Diskussion mag vielleicht für viele ein Ausdruck für die Gleichberechtigung sein. Ich glaube aber es wäre besser konkrete Projekte für Gleichberechtigung anzustoßen, anstatt über Schreibweisen zu diskutieren.

So läuft das in England: Zusätzlich zu den Studierendenvertretern, den Trustees, wählt man das Executive Board. Dazu gehört der Präsident, und sechs Vizepräsidenten, die jeweils eine bestimme Aufgabe übernehmen. Das ist keine Basisdemokratie bei der alles von allen entschieden wird nachdem es in Arbeitskreisen durchgekaut wurde. Es ist eine repräsentative Demokratie. Diese Student_innen bewerben sich mit einem Programm. Sie müssen Ideen vorstellen wie das Studium und die Rahmenbedingungen verbessert werden können. Jeder Kandidat (Immer „jede_r Kandidat_in“ zu schreiben ist manchmal auch echt lächerlich) schreibt ein Manifest und jeder Student kann dieses online auf einer zentralen Seite lesen. So ist es möglich Wahlentscheidungen an Sachfragen festzumachen. Nicht an Parteizugehörigkeit. Natürlich möchte ich nicht das ganze Wahlsystem ändern, aber ich möchte, dass die Menschen die mich vertreten mir auch klar machen was sie eigentlich genau machen. Und vielleicht klappt es dann auch mit einer besseren Wahlbeteiligung.

Interesse an der Southampton University’s Student’s Union: susu.org

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